Wurden Auseinandersetzungen bei Flugblatt-Aktion in Hannover bewusst provoziert & geplant?

In einem ausführlichen Artikel berichteten wir am heutigen Morgen von den gestrigen Ereignissen im Bereich der Nordkurve des Niedersachsenstadions in Hannover. In diesem verteilten antifaschistische Personen Flugblätter, mit denen sie Aufklärungsarbeit bezüglich rechten Strukturen innerhalb der aktiven Fanszene von Hannover 96 betreiben wollten (Beitrag dazu hier). Diesen Anschein erweckten zumindest die einseitigen und subjektiven Darstellungen in einer noch gestern Abend veröffentlichten Pressemitteilung der dahinterstehenden Kampagne »Hannover rechts außen«.

Gerade politische Sachverhalte gilt es stets differenziert zu sehen, wozu nun Personen aus der Hannoveraner Ultràszene uns gegenüber beitrugen. So ist übereinstimmend die Rede von einer geplanten Provokation, die das Fass nun nach langwierigen teils körperlich, teils verbal ausgetragenen Differenzen zwischen antifaschistischen Personen und Ultras von Hannover 96 zum Überlaufen gebracht haben. Am Vorabend der gestrigen Ereignisse tauchte ein Beitrag in der bevorzugt von Studenten genutzten App »Jodel« auf, über die man anonyme Kurznachrichten veröffentlichen kann. In dem Jodel wird angekündigt, dass es bei kommenden Heimspielen zu einem politisch motivierten Angriff von 96-Fans aus dem Unterrang gegenüber Ultras aus dem Oberrang kommen soll. In Verbindung gebracht wurde dies mit dem Vorhaben auf die »Nazi-Thematik aufmerksam« zu machen.

Bei den linken Aktivisten, die laut eigener Pressemitteilung bewusst den Ort rund um die Nordkurve gewählt hatten, soll es sich laut Augenzeugen gestern um keine sonderlich bekannten Gesicher eines vermeintlich linksradikalen Flügels der Hannoveraner Fanszene, sondern fast ausschließlich um Personen aus dem Spektrum der Antifa gehandelt haben. Bei diesen sollen sich außerdem einzelne bekannte und linksmotivierte Ultras des SV Werder Bremen getummelt haben, die sich ebenso wie einige andere der 35 Flyer verteilenden Personen mit Mundschutz und Bandagen im Bereich der Nordkurve umher bewegt haben. Ein Verhalten, das nicht gerade für einen friedlichen Protest gegen vorgeworfene rechte Verbindungen innerhalb der Fanszene steht.

Das laut dem »Hannover rechts außen«-Blog gestreute Gerücht, es würden Werder-Ultras versuchen den Fan-Container der 96-Fanszene angreifen, ist angesichts der offenbar bekannten Gesichter aus Bremen damit ebenfalls nicht mehr allzu abwegig. Eine Sprecherin der »Hannover rechts außen«-Kampagne hatte diese Behauptung noch als reines Gerücht bezeichnet, mit dem die Mitglieder der Gruppe den Übergriff gegenüber antifaschistischen Aktivisten kurvenintern legitimieren und den Vorfall über entpolitisieren wollten, so die Sprecherin.

Festzuhalten ist abschließend ein erneuter bzw. anhaltender politischer Machtkampf rund um die aktive Fanszene von Hannover 96, die speziell auf die Ultràszene bezogen selbst immer mehr den Anschein erweckt einfach keinen Bock auf links-rechts-Politik zu haben. Eine Sache die viele Fußballfans und auch aktive Fanszenen begrüßen, gleichermaßen jedoch auch insbesondere politisch stark links engagierte Fußballfans verurteilen. Dass dies letztlich aber im Großen und Ganzen gewährleistet, dass sich in einer Kurve alle aktiven Fans eines Vereins heimisch fühlen können, ganz gleich welche politische Ansichten diese im Einzelnen vertreten, ist nicht abzustreiten und gilt es bei allen politischen Debatten noch einmal deutlich zu betonen.

Ein Video zeigt einen kurzen Ausschnitt der Ereignisse vor der Nordkurve:

(Beispiel)fotos: timo0711.blogspot.comhannoverrechtsaußen.noblogs.org | Kurvennews am 23.12.2018


9 Kommentare

  1. Bremen spielt parallel in Leipzig und trotzdem sollen Mitglieder der Infamous Youth dabei gewesen sein? Ich weiß ja dass es ein Platz der Göttinger Sieben mit den Gebrüder Grimm in Hannover gibt, aber dass Hannover besonders im Bezug auf Fussball immernoch Märchen schreiben ist doch lächerlich. Hannovers Ultraszene hat ein Problem mit rechten Strukturen und dieser Übergriff auf Personen welche sich gegen Rechts stellen, beweist es. Des weiteren sind Personen die dort mitkommen natürlich sportlich Wehrhaft, jedoch bandagiert in ein deutsches Stadion kommen? Come in, das ist ja sowas von realitätsfern.

  2. Danke für diese Arbeit.

    Selbst wenn es keine Ultras sondern nur noch linke Bremer waren wird in Anbetracht dieser wirklich auffällig schnell veröffentlichten Stellungnahme von H.rechtsaussen deutlich, dass die Wahrheit definitiv nicht nicht (nur) auf einer Seite liegt.

    Falls das Jodel tatsächlich von tags zuvor gewesen sein soll ist auch schon ein merkwürdiger Zufall, da die Ankündigung ja tatsächlich am Samstag umgesetzt wurde.

    Will mich auf keine Seite schlagen, äußerst kurios sind die ganzen ”Zufälle” dennoch.

  3. Dann würde mich ja mal interessieren, welche Gruppe aus dem Unterrang links sein soll und planen würde, den Oberrang anzugreifen? Das ganze Szenario fand außerhalb des Stadions statt und die Gewalt ging klar von Teilen der Ultra-Szene aus. Wer Flyerverteilen vorm Eingang mit Angriffen von Bremer Ultras nicht auseinander halten kann, hat ein Wahrnehmungsproblem…oder erzählt bewusst Unsinn

  4. Kann ja verstehen, dass du aufgrund des flukturierenden Gewusels bei faszination fankurve, auch Sichtweisen darlegen willst, die noch nicht aufgegriffen wurden.
    Aber wenn du hier ein Sprachrohr, denke mal aus Sympathie zu jedwiger Fußballszene, für solche Stories sein willst, ist das ja nur bitter. Jodel und Werder Ultras?
    Come on. Selbst du, der sich mit diesem Medium größtenteils nur auf Tifo, Mobactions und Pyroaktionen bezieht, sollte doch festgestellt haben, dass eben diese im Vergleich zu vor drei, vier Jahren bei 96 ziemlich unterirdisch geworden sind. Komisch, vielleicht fehlt die Vielfalt und eine Gruppe, links von der Mitte.

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