Werder-Ultras demonstrierten für Weserstadion & bezahlbaren Wohnraum

Bereits vor einigen Wochen machten die »Wanderers Bremen« und weitere Akteure der Bremer Ultràszene auf die undurchsichtigen Verhandlungen einer möglichen Umbenennung des Weserstadions aufmerksam und stellten im gleichen Atemzug klar, dass der eigene Stadionname unantastbar sei.

Vor kurzem wurden jene Verhandlungen dann auch öffentlich und dahingehend bekannt, dass das Immobilienunternehmen »Wohninvest Holding GmbH« offenbar ernsthaft an einem Engagement beim SV Werder Bremen interessiert sei. So plane man das Weserstadion um den Namen des Unternehmens zu ergänzen, wodurch dem SVW bzw. vielmehr der Stadionbetreiber-Gesellschaft über zehn Jahre hinweg insgesamt 30 Millionen Euro in die Kassen gespült werden sollen.

In einer gemeinsamen Stellungnahme, die von den »Wanderers Bremen«, »Ultra’ Boys«, der »HB Crew«, »Infamous Youth« sowie »L’Intesa Verde«,den »Caillera Ultras« und dem »UltrA-Team Bremen« unterzeichnet wurde, prangerte die Ultràszene diverse Aspekte an dem geplanten Verkauf der Stadionnamensrechte an. Neben der Tatsache, dass der Name Weserstadion maßgeblich zur Identität beitrage und unantastbar sei, zeigen sich die Ultràgruppen verwundert darüber, dass der Verein in dieser Frage trotz früher Intervention seitens der Fans intransparent und verschlossen handelte, während durch die Geschäftsführung immer wieder betont wurde, dass man sich die kreativen Ideen aus der Fanszene anhören wolle.

Darüber hinaus kritisieren die Ultràgruppen des SV Werder Bremen, dass die stets proklamierte gesellschaftliche Verantwortung des Vereins nicht mit der Wohninvest Holding GmbH vereinbar sei. Die Bremer Gruppen diesbezüglich fragend: »Wo sehen die Verantwortlichen in ihrem Vertragspartner das gesellschaftliche Engagement und die Werte des Vereins vertreten? Wie viele Firmen der Immobilienbranche steht auch die Firma Wohninvest vor allem für eines: Ungleichheit und Verdrängung. Sie sind maßgeblich am sozioökonomischen Strukturwandel von Stadtteilen beteiligt und dafür verantwortlich, dass in diesem Rahmen ganze Bevölkerungsgruppen verdrängt werden. So verlieren jährlich zig Menschen ihre Wohnungen, da sie sie aufgrund von zu hohen Mieten nicht mehr halten können und so zum Wegzug gezwungen werden. Unabhängigen Vermieter*innen werden Häuser in guten Lagen abgekauft und Mieter*innen vor die Tür gesetzt. Wo eben noch die alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern eine Bleibe über dem Kopf hatte, wohnt jetzt der junge Bankier, der gutes Geld verdient. Wo Wohnungen leer stehen, die man Geflüchteten zur Verfügung stellen könnte, um sie nicht in Wohncontainer zu stecken, entstehen neue Büroräume. So das alltägliche Geschäft.«

Um der Forderung, die scheinbar aktuell noch offene Unterschrift unter den Verträgen mit der Wohninvest Holding GmbH dringend zu überdenken, Nachdruck zu verleihen, riefen die Werder-Ultras kurz darauf zu einer großen Demo auf. In Zuge der vom »UltrA-Team Bremen« angemeldeten Demonstration versammelten sich am gestrigen Pfingstmontag knapp 600 Fans und Ultras des SV Werder auf dem Bremer Marktplatz und gingen für die Erhaltung des traditionellen Stadionnamens und für bezahlbaren Wohnraum auf die Straße. Hierfür brachten die Gruppen das ein oder andere Weserstadion-Banner mit und zeigten so deutlich, dass einem alles daran liegt, den seit Bau des Stadions bestehenden Namen zu bewahren. Gleichwohl, dass man die Spekulationen diverser Immobilienunternehmen kritisiere, wie dies ein Mitglied von »L’Intesa Verde« in einem vor Ort geführten Interview mit der »Deichstube« noch einmal untermauerte (Video dazu unten). Beendet wurde der vom Marktplatz durch das Viertel führende Protestzug, bei dem auch Flyer an die Bürger verteilt wurden, am Weserstadion, welches zum Leidwesen der Werder-Ultras schon bald offiziell »Wohninvest Weserstadion« heißen könnte.

Fotos: Wanderers Bremen | Kurvennews am 11.06.2019


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