Ultras Chemnitz nun lautstark und kritisch

In den vergangenen Monaten berichteten wir regelmäßig über den Chemnitzer FC, der vor über einem halben Jahr Insolvenz beantragen musste und sich seitdem in einem laufenden Insolvenzverfahren befindet. In diesem ging es in den letzten Wochen drunter und drüber und insbesondere der Insolvenzverwalter des Klubs, Klaus Siemon, machte aus Sicht der Fans mehrmals negativ sich Reden.

Nachdem Siemon unter anderem Hausverbote gegenüber der Vereinsspitze aussprach und damit für erste negative Schlagzeilen sorgte, zeigte sich der Insolvenzverwalter trotz großer Sprüche und diverser Alleingänge bei der kleinsten Kritik von außen sehr dünnhäutig. So ließ Klaus Siemon vor wenigen Wochen das Infozine der Chemnitzer Fanszene im Stadion verbieten, nachdem in diesem ein Bingo abgedruckt wurde, womit diverse Begründungen des Insolvenzverwalters auf die Schippe genommen werden sollten.

Vor einem Monat ging Siemon nach all den Lächerlichkeiten und negativen Schlagzeilen rund um den aktuell sportlich eigentlich sehr erfolgreichen Chemnitzer FC einen Schritt weiter und es wurden Ausgliederungspläne öffentlich, mit denen sich der einstige DDR-Meister von 1967 neu strukturieren soll. Die aktive Fanszene um die »Ultras Chemnitz 99« kritisierte das Vorhaben deutlich und pocht auf den eingetragenen Verein, mit dem eine Neustrukturierung ebenso möglich sei. Hinzu kamen strukturelle Ungereimtheiten bei Klaus Siemons Plänen zur Ausgliederung der Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft, bei der die Mitglieder kein Mitspracherecht eingeräumt bekommen sollten. Dies wurde auch von Sponsoren des Vereins kritisiert, die eine Ausgliederung deshalb vereinzelt nicht unterstützen wollen.

Die »Ultras Chemnitz 99« zogen aus dem Vorstoß hin zu einer Ausgliederung Konsequenzen und organisierten keine Stimmung beim brisanten Regionalliga-Duell gegen den 1.FC Lok Leipzig (Beitrag dazu hier). Jahrelang habe man gegen Konstrukte wie RedBull oder Hoffenheim protestiert und stets für Werte wie Tradition, Ehre und Leidenschaft eingestanden, weshalb man eine GmbH nicht unterstützen könne, hieß es in der nur wenige Stunden vor dem Spiel gegen Lok veröffentlichten Stellungnahme von UC99. Bei nicht gerade wenigen Fans des Chemnitzer FC stieß der Stimmungsboykott der Ultras auf Unverständnis, da damit eine Mannschaft bestraft werden würde, die eine herausragende Saison spielen würde. So stimmten einige CFC-Fans auf der Südkurve trotz des Stimmungsboykotts Gesänge an und unterstützten so ihr Team. Die »Ultras Chemnitz 99« schienen sich in Anbetracht der durchwachsenen Reaktionen selbst reflektiert zu haben und verkündeten deshalb innerhalb der himmelblauen Anhängerschaft, dass man den Stimmungsboykott ablegen und stattdessen einen lautstarken und kritischen Protest in das Stadion tragen werde. Eine Entscheidung, die in Zeiten, in denen der Stolz mehrerer Gruppen schwerer als die Interessen der gesamten Kurve zu wiegen scheint, durchaus beachtlich ist. Entgegen einer Mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-Mentalität, heißt es nun »ob mit oder gegen uns – doch niemals ohne uns«, womit sich die gesamte Südkurve identifizieren dürfte.

In dieser war der Zaun beim Heimspiel gegen den FC Oberlausitz Neugersdorf mit einem solchen Banner geschmückt und es wurden außerdem zahlreiche Zettel mit der Aufschrift »lautstark und kritisch« hochgehalten, womit sich neben entsprechender Gesänge gegen eine Ausgliederung ausgesprochen wurde. Unabhängig von den Protesten, die sich auch gegen den Insolvenzverwalter in Person von Klaus Siemon richteten, trauerten die CFC-Fans am Sonntag um Albrecht Müller, einem Meisterspieler von 1967. Der frühere Junioren-Nationalspieler der Deutschen Demokratischen Republik lief insgesamt 182 Mal für den FC Karl-Marx-Stadt auf und starb vor knapp zwei Wochen kurz vor seinem 79. Geburtstag. Verfolgt hatten den erneuten Heimsieg des CFC 4.468 Zuschauer auf der Fischerwiese.

Fotos: fokusfischerwiese.com | Kurvennews am 30.10.2018

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