Ultras Chemnitz geben Stimmungsboykott für heutiges Spiel bekannt

Die vergangenen Wochen und Monate ging es äußerst turbulent bei den Himmelblauen zu. Im Frühjahr diesen Jahres wurde bekannt, dass die Schulden beim Chemnitzer FC nicht mehr zu stemmen seien, weshalb ein Insolvenzverfahren eingeläutet wurde. Während man den damit verbundenen Abstieg in die Regionalliga Nordost selbstverständlicherweise bedauerte, sahen einige Fans des Chemnitzer FC darin auch die Möglichkeit zu einer gesunden Neustrukturierung und Konsolidierung im Verein. Der zuständige Insolvenzverwalter Klaus Siemon machte dieser Möglichkeit in den Augen der Fanszene einen Strich durch die Rechnung und fiel hingegen mit grenzwertigen Handlungen innerhalb des Klubs auf. Unter anderem erteilte dieser oberen Vereinsgremien Hausverbot, hielt eigentlich öffentlich zu machende Insolvenzpläne lange zurück und erteilte unter anderem auch einem Spieltagsheft der aktiven Fanszene für zwei Spiele Hausverbote, nachdem in diesem Kritik gegenüber Siemon geäußert wurde (mehr dazu hier lesen).

Nun wurden seine Insolvenzpläne öffentlich, in denen Siemon eine Neustrukturierung des Chemnitzer FC durch eine Ausgliederung anvisiert. So sollen die Profimannschaft und die Jugendabteilung in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert werden, allerdings ohne dass die Mitglieder dabei ein Mitspracherecht haben. Während dies normalerweise von der Basis abgesegnet werden muss, läuft es im Falle des ostdeutschen Traditionsklubs über die Gläubigerversammlung, die am vergangenen Mittwoch stattfand. Bei dieser wurde die bisherige Arbeit von Insolvenzverwalter Klaus Siemon befürwortet, auch wenn es von einzelnen Gläubigern deutliche Kritik an den Ausgliederungsplänen gab. Immerhin wurde damit ein Aus des Chemnitzer FC verhindert, wenngleich sich die Himmelblauen nun durch eine Ausgliederung in eine Kapitalgesellschaft zahlungskräftigen Investoren öffnen könnten. Ein Fakt, der für viele traditionsbewusste Fußballfans nicht zu ertragen ist.

So geht es auch den »Ultras Chemnitz 99«, die sich in den vergangenen Wochen gegen Insolvenzverwalter Siemon und gegen eine Ausgliederung stark gemacht hatten. Hingegen sprach man sich durchweg für den eingetragenen Verein aus, für dessen Bewusstsein man sogar eine große Zaunfahne anfertigte (Beitrag dazu hier). Nun möchten die Chemnitzer Ultras ein deutliches Zeichen setzen und veröffentlichten heute Morgen eine Information, aus der ein Stimmungsboykott für das heutige Regionalliga-Spiel gegen den 1.FC Lokomotive Leipzig zu entnehmen ist. »Mit der Entscheidung von Mittwoch werden unsere Werte wie Tradition, Ehre und Leidenschaft einmal mehr mit Füßen getreten. Es widerstrebt uns komplett, jahrelang gegen Konstrukte wie RedBull oder Hoffenheim zu protestieren, um am Ende selbst eine GmbH zu unterstützen. Darum ist unsere Reaktion auf Mittwoch am heutigen Tag: Kein Support für das angedachte Konstrukt!!!«, so die »Ultras Chemnitz 99« in einem veröffentlichten Informationsflyer. Bei einigen Kuttenfans kommt diese Entscheidung nicht gut an, da die Spieler am allerwenigsten für die Pläne des Insolvenzverwalters könnten, als bislang stark spielender Tabellenführer allerdings unmittelbar von dem heutigen und sich womöglich in die längeziehenden Stimmungsboykott betroffen seien.

Fotos: fokusfischerwiese.com, Ultras Chemnitz 99| Kurvennews am 29.09.2018

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