Ultras Bochum wieder zurück in der Ostkurve

Im Oktober 2017 kam es auf einer Mitgliederversammlung des VfL Bochum zu einer Abstimmung über die zukünftige Ausrichtung der Profiabteilung. Dabei ging es um die Frage, ob die Profi-Fußballabteilung des VfL in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert werden soll, wogegen die Ultràszene im Vorfeld protestierte und über die Risiken informierte. Trotz dessen überwogen mit 80,2 Prozent Für-Stimmen letztlich all diejenigen Fans, die in einer Ausgliederung mehr Chancen als Risiken sehen und durch eine Öffnung für Investoren offenbar glauben, dass es an der Castroper Straße schnell wieder bergauf gegen wird.

In Folge der »verlorenen« Mitgliederversammlung soll es im Anschluss an die Entscheidungsverkündung zu kurzen Unruhen in der Bochumer Jahrhunderthalle gekommen sein und Ultras stellten am Abend vor der Geschäftsstelle dutzende Trauerkerzen auf, die symbolisch für eine Beerdigung des eingetragenen Vereins standen (Beitrag dazu hier). Als Konsequenz zogen sich außerdem die Gruppen »Ultras Bochum 99« und »Melting Pott« aus der Ostkurve des Ruhrstadions zurück und organisierten damit keine Stimmung mehr auf den Rängen der traditionsreichen Spielstätte. Zwar verfolgten einige Mitglieder der beiden Ultràgruppen die Spiele noch auf der Westseite bzw. auf der Gegengeraden – dort fielen die aktiven Fans bis aus einzelne Spruchbänder aber nicht weiter auf (Beitrag dazu hier).

Nach vielen Vorwürfen von Seiten der Ultràszene gegenüber den Vereinsverantwortlichen kam es in der vergangenen Woche zur ersten Mitgliederversammlung seit der richtungsweisenden Veranstaltung im Oktober 2017. Die Initiative »echt VfL – nur ohne Ausgliederung« verfasste bereits vor dieser Entscheidung einen lesenswerten Rückblick, in der man einräumte, dass einen die Realität gelehrt habe, »dass es keinen wirklichen Konsens unter den VfL-Fans darüber gibt, was unseren Verein ausmacht und ebenso mussten wir akzeptieren, dass es mit der Unbeugsamkeit und dem kritischen Bewusstsein bei einem Großteil unserer Fans und Mitglieder nicht so weit her ist, wie wir gehofft hatten. Das Bewusstsein, dass im modernen Fußball andere Gefahren lauern als Niederlagen, Abstiege oder nicht realisierte Aufstiegsträume, war leider nicht im notwendigen Maße zu vermitteln, genauso wenig wie Mut zum Anderssein.«

Dem fügt die Initiative an, dass man unmittelbar nach der Abstimmung akzeptiert habe, dass die Ausgliederung ein nicht mehr zu ändernder Fakt sei, man mit den Vorfällen und Ereignissen in den Monaten vor und nach 07.10.2018 jedoch nie Frieden schließen konnte. Aus Sicht der Verfasser erlangte man damals erstmals den Eindruck, dass sich der VfL nicht wie ein Fußballverein verhält, sondern wie ein kühl und berechnendes Unternehmen. Die Vereinsführung hielt sich des Weiteren nicht an Versprechen und soll nie bestrebt gewesen sein, die Mitglieder aktiver am Vereinsgeschehen einzubinden. Aus diesen Gründen und um eine Veränderung im Verein zu erzeugen, wurde dazu aufgerufen den Aufsichtsrat bei der Wahl auf der Mitgliederversammlung nicht zu entlasten und so einen gewissen Wechsel zu ermöglichen.

Trotz des Rückblicks auf die Zeit nach der Ausgliederung orientierten sich viele Mitglieder des VfL Bochum nicht an der Empfehlung der Initiative und entlastete sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat. Lediglich rund 100 Mitglieder der Oppositionsfraktion verweigerten die Entlastung und verließen die kürzliche Mitgliederversammlung daraufhin. Zu Tumulten soll es dieses Mal nicht gekommen sein. Umso überraschender war die Rückkehr der »Ultras Bochum 99« am vergangenen Wochenende als aktive Gruppe ins Stadion. Beim Gastspiel in Kiel waren diese mit der eigenen Zaunfahne sowie einem »unbequem – unverkäuflich« Banner anwesend und fielen im Holstein-Stadion mit einem kleinen Luftschlangen-Intro auf. Am gestrigen Dienstagabend folgte dann das Heimspiel des VfL Bochum gegen Dynamo Dresden, wofür die »Ultras Bochum 99« in den mittleren Bereich der Ostkurve zurückkehrten. Mit dabei besagte zwei Zaunfahnen und weiteres Fahnenmaterial, das neben einer akustischen Unterstützung auf den Rängen zum Einsatz kam. Zuvor schwiegen beide Fanszenen allerdings für 20 Minuten und sendeten damit ein deutliches Zeichen an den DFB, der von den Fanszenen Deutschlands hören wird – oder auch nicht. Die Ultras von »Melting Pott« kehrten bislang nicht in die Ostkurve zurück und scheinen den Weg eines Stimmungsboykotts konsequent weiterzugehen.

Foto: instagram.com/rosinenknipser | Kurvennews am 26.09.2018

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