Ultra’ Sankt Pauli Vorsänger dreht Werbespot – Castaways spielen in Derby darauf an

Bei einem sowohl auf der Straße als auch im Stadion durchaus interessanten wie chaotischen Hamburger Stadtderby (Beitrag mit vielen Fotos hier) ging das ein oder andere Spruchband unter all den vielen auf beiden Seiten unter. So unter anderem auch eines der HSV-Ultràgruppe »Castaways«, die mittels Frage-Antwort-Transparenten auf einen Werbespot mit einem Vorsänger der Südkurve Sankt Pauli in der Hauptrolle anspielten.

Die besagte Hauptrolle in dem kurzen Clip spielt Henning Heide, Vorsänger von »Ultra’ Sankt Pauli« in der Südkurve des Millerntorstadions, der mit einem rund einminütigen Auszug aus seinem Alltag mitsamt Beruf, Sport und Stadion für das Sportartikel-Unternehmen SportScheck wirbt. »I am not just a runner« heißt der Titel des Werbeclips, in dem sich der Capo zunächst als »Sportjunkie« und »Outdoor-Enthusiast« vorstellt. Im Anschluss daran ist in dem an sich äußerst gelungenen und qualitativ hochwertigen Werbeclip zu sehen wie sich Henning Heide per Rad und zu Fuß durch das regnerische Hamburg bewegt und den FCSP-Fans vom Zaun der Südkurve aus einheizt. Dazu erklärt der Vorsänger, dass er es möge wenn Dinge – sei es mit seinem Kind im Stadion bei den Ultras oder anschließend bei einem Bier mit seinen Lauffreunden – organisch zusammenfließen, anstatt sich auszuschließen. Eine Aussage, die die tolerante Haltung der FC St. Pauli Fanszene widerspiegelt und die als ein deutliches Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung im Allgemeinen zu verstehen ist. Ebenso galt die Haltung der Ultràszene des FC St. Pauli jedoch auch als antikapitalistisch, in dessen Widerspruch das nun kürzliche Werben für ein großes, gewinnorientiertes Handelsunternehmen für Sportartikel stehen dürfte.

Die »Castaways« entrollten diesbezüglich Transparente mit der Aufschrift »Antirassismus? Check« und »Antikapitalismus? SportScheck«, womit die führende Ultràgruppe des Hamburger SV ihrem Pendant in der gegenüberliegenden Kurve den Spiegel vorhielt. In die gleiche Kerbe schlug ein Transparent mit den Worten »Wie viele Mentalitätsbananen muss man fressen, um AEKs Hisbollah-Fahne zu schlucken?« Hintergrund dessen ist eine in der AEK-Fanszene verwendete kleine Fahne der libanesischen, von mehreren Staaten als Terrororganisation eingestuften und der ursprünglich in den 80er Jahren zur Verteidigung einer israelischen Invasion gegründeten, Hisbollah. Ultras und Hooligans des FC St. Pauli pflegen freundschaftliche Kontakte zum »Original 21« und weiteren Fans von AEK Athen, die ihrerseits mit der Hisbollah-Fahne die kürzlichen Gäste aus Amsterdam provozierten. Diese pflegen das Image von Ajax als jüdischen Klub, weshalb sie den überwiegend pro-palästinensisch eingestellten AEK-Fans ein Dorn im Auge gewesen zu sein schienen. Die Fans des FC St. Pauli wiederum legten in der Vergangenheit hingegen immer wieder wert darauf sich nicht nur antirassistisch oder antikapitalistisch zu positionieren, sondern sich auch ganz bewusst gegen Antisemitismus und andere Formen von Ausgrenzung und Diskriminierung einzusetzen. Besagte Fahne hing unserer Kenntnis nach im Übrigen nie selbst im Millerntorstadion.

Fotos: YouTube SportSchecknordtribüne-hamburg.de | Kurvennews am 12.03.2019

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