Schwere Übergriffe von Polizei auf Jahnfans in Fürth

Am vergangenen Samstag musste der SSV Jahn Regensburg bei der SpVgg Fürth im Sportpark Ronhof ran. Zwar gilt die Partie bei weitem nicht als Derby und von einem Spiel zweier verfeindeter Fanszenen zu sprechen wäre ebenso übertrieben. Wirklich sympathisierend standen sich die Ultras des Jahn und des Kleeblatts in der Vergangenheit allerdings auch nicht gegenüber, weshalb die Begegnung in beiden Fanlagern einen etwas höheren Stellenwert gehabt haben dürfte.

Für diese riefen die »Ultras Regensburg« wurde über die Seite der »Hans-Jakob-Tribüne« zu einer Zugfahrt nach Fürth auf und gaben entsprechende Zugzeiten und die Info, einen Fanschal mit einzupacken, bekannt. Am Fürther Bahnhof angekommen planten die Jahnfans wie bereits bei letzten Gastspielen in der Kleeblattstadt per Fußmarsch durch die Stadt zum Sportpark Ronhof zu marschieren. Dagegen schien die zahlenmäßig in kaum einer Relation zum Fankaufkommen bereitstehende Polizei Einwände gehabt zu haben und versperrte den entsprechenden Ausgang aus dem Bahnhof. »Kooperativ ließ man sich auf die neue Route links aus dem Bahnhof heraus ein« heißt es von den »Ultras Regensburg« in einer Stellungnahme dazu, ehe man von äußerst aggressiv auftretenden Beamten des berüchtigten bayrischen Unterstützungskommandos auf bereitstehende Shuttle-Busse verwiesen wurde.

Jahnfans mit Fußmarsch durch Fürth im April 2018.

Da man von seinen Rechten als freier Bürger Gebrauch machen wollte, entschied man sich nach etlichen Diskussionen kurzerhand dazu hinter dem ersten Bus abzubiegen und wie geplant zu Fuß zu laufen. In diversen Print- und Onlinemedien hieß es zu den Ereignissen vor dem Spiel, dass sich einige Fans des SSV Jahn gewaltsam einen Weg durch die Polizeikette bahnen wollten, was von den »Ultras Regensburg« klar dementiert wird. Stattdessen »beruhigte sich die Situation kurz, bevor das USK ohne Vorwarnung in die Offensive ging und massiv auf Jahnfans einschlug«. Dabei soll die Polizei von hinten auf den Kopf eines Mitglieds der Gruppe geschlagen haben, woraufhin sich dieser schwere Verletzungen zuzog. »Dabei ergab sich als Diagnose eine Schädelprellung, Einblutungen in Hals und Nacken sowie eine leichte Gehirnerschütterung. Der behandelnde Arzt wies darauf hin, dass bei einem 2 cm höheren Treffer die Schädeldecke eingeschlagen worden wäre« führen die »Ultras Regensburg« dazu aus.

Um die Situation nicht vollends eskalieren zu lassen, entschieden sich die Jahnfans laut eigener Aussage dazu doch auf die Shuttle-Busse zurückzugreifen, die sie auch zum Sportpark Ronhof bringen sollten. An diesem angekommen soll die nächste Eskalation seitens der Beamten nicht lange auf sich warten haben lassen und so wurde ein Jahnfan unmittelbar nach dem Aussteigen abgeführt, während die restlichen Polizeikollegen die bis dato »friedliche Gruppe an Jahnfans, bestehend aus Zugfahrern und privat in Bussen oder PKWs angereisten Fans, auseinandertrieben«. Aus Solidarität mit dem Verletzten entschieden sich ca. 150 Jahnfans dazu, den Gästeblock nicht zu betreten und stattdessen auf dem Vorplatz des Gästebereichs zu bleiben. Auf diesem kam es dann in der Halbzeit zur erneuten Eskalation durch aggressiv und provozierend auftretende Polizeikräfte des USK, die trotz genügend Platz durch die wartende Meute liefen und inmitten derer wild um sich schlugen. Dabei kam es auch zu einem schier maßlosen Einsatz von Pfefferspray, unter dem zahlreiche Gästefans, darunter auch Frauen, Kinder und ältere Menschen, zu leiden hatten. Außerdem wurde laut den Regensburger Ultras »ein Jahnfan durch Beamte bewusstlos geschlagen und anschließend von ihnen wie ein Kartoffelsack über den Asphalt davon geschleift«, während weitere Polizei- und Ordnungskräfte andere Jahnfans am Verlassen des Gästeblocks hinderten.

Für die Fans des SSV Jahn Regensburg ist dieser Einsatz auf allen Ebenen unverständlich und es wird von einer reinen Gewaltorgie seitens der Polizisten gesprochen, die zu keinem Zeitpunkt auf Deeskalation oder Kommunikation ausgewesen sei. Ähnliches sollen auch Mitarbeiter des Fanprojekts und des Sport- und Schwimmvereins bestätigt haben, wie aus einer weiteren Stellungnahme des Vereins selbst zu entnehmen ist. In dieser kritisiert der SSV Jahn Regensburg den Polizeieinsatz aufs Schärfste und stellt sich voll und ganz hinter seine Anhänger. So weisen die Oberpfälzer bspw. »Pauschalverurteilungen seiner gesamten Fanszene oder einzelner Gruppierungen in klarer Abgrenzung zu friedlichen Jahnfans zurück«, nachdem Zeitungen von aggressiven Ultras gesprochen haben. Darüber hinaus erwartet der Verein eine lückenlose Aufarbeitung der Geschehnisse und daraus abzuleitende Konsequenzen. »Wir sind gespannt, ob er das mit voller Energie tun wird oder ob man letztlich doch wieder vor der Exekutive kuschen muss, weil „Täter nicht ermittelbar“ sind oder das Videomaterial trotz zig Kameras dürftig ist«, heißt es in gleicher Erwartungshaltung von den »Ultras Regensburg«.

Unterstützung vor Ort erhielten die Gästefans von Fanbeauftragten und Ultras der SpVgg Fürth sowie dem »Grün-Weißen Hilfefonds«, einer Initiative von Vertretern der aktiven Fürther Fanszene. Die Solidargemeinschaft unterstützt und berät Kleeblattfans, die in Konflikt mit Polizei und Justiz geraten sind, und greift diesen hinsichtlich eines rechtlichen Beistands vor Gericht finanziell unter die Arme. In den Hintergrund rückte durch die Vorkommnisse außerhalb des Stadions eine große Choreografie im Inneren des Sportpark Ronhofs. Auf der Nordtribüne präsentierten die Ultras der SpVgg Fürth eine große Blockfahne, anlässlich des 115. Vereinsjubiläums. Auf einem unter der »SpVgg Fürth«-Blockfahne angebrachten Banner hieß es dazu passend: »115 Jahre Tradition verdienen ihren einzig wahren Namen – damals – heute – für die Ewigkeit«. Auf dem Papier sahen das 1:1 offiziell 10.845 Zuschauer, worunter auch jene Gästefans mit aufgeführt waren, die sich hinter dem Gästeblock mit den Ultras des SSV Jahn solidarisierten.

Verweise (jeweils klicken):

Stellungnahme der Ultras Regensburg

Stellungnahme des SSV Jahn Regensburg

Stellungnahme des Grün-Weißen Hilfefonds

 

Fotos: ultras-regensburg.de, spvgg-fuerth.com | Video: Regensburg | Kurvennews am 11.10.2018

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