Schalker Faninitiative mahnt S04-Anhänger nach antisemitischem Vorfall

Nicht alle Tage kommt es vor das in der 99. Spielminute und damit weit in der Nachspielzeit auf Elfmeter entschieden wird, der darüber hinaus auch noch durch den Einsatz des Video-Assistenten gepfiffen wurde. Dementsprechend groß war der Frust auf Seiten der Schalke-Fans, die ihre Mannschaft in der heimischen Arena zu einem 1:1 gegen Eintracht Frankfurt pushten und mit dem Punktgewinn äußerst glücklich gewesen wären. Jener Frust machte sich insbesondere in der Nordkurve bemerkbar, von der aus der Schiedsrichter der Partie bepöbelt wurde und der Versuch unternommen wurde, den Frankfurter Schützen durch Auspfeifen und wildes Gestikulieren zu verunsichern.

Geholfen hat dies nicht und Luka Jovic netzte in der neunten Minute der Nachspielzeit zum entscheidenden 2:1 Siegtreffer für die Eintracht ein. Ein Anhänger des FC Schalke 04 quittierte den Treffer und die Entscheidung mit sämtlichen Beleidigungen und Sprüchen wie »Ihr scheiß DFB-Hurensöhne, euch werden wir alle umbringen, ihr kleinen Hurensöhne« oder »Schafft die Scheiße ab, sonst werdet ihr alle vergast«. Auch ein »Juden! Stecht sie alle ab, bringt sie alle um!« durfte aus dem Mund des echauffierten Nordkurvengängers nicht fehlen, der durch seine antisemitischen Parolen nicht nur sich auf rechtlicher Ebene strafbar machte, sondern zugleich auch die gesamte königsblaue Anhängerschaft in Verruf bringt. Diese soll laut mehreren Aussagen in Person einzelner Fans noch im Stadion reagiert haben, während andere Anhänger den Verein in die Pflicht nehmen und den FC Schalke 04 e.V. dazu auffordern hinsichtlich des dummen Totalausfalls aktiv zu werden.

Die »Schalker Faninitiative e.V.« mahnt nach dem neuerlichen Vorfall generell alle Schalke-Fans und fordert das Erheben der eigenen Stimme um klare Kante gegen Menschenfeindlichkeit und Hetze zu zeigen. Die antirassistisch engagierte Initiative geht in ihrem gestern veröffentlichten mahnenden Schreiben auf weitere Einzelfälle in der jüngeren Vergangenheit ein, die sich laut der Faninitiative gehäuft haben sollen und wozu es heißt: »Sei es in der Straßenbahn, wo lauthals „Dortmunder Frauen; ficken und verhauen“ gesungen wird, sei es in der Arena, wo die antidiskriminierenden Banner oder Fahnen der Fan-Ini  in der laufenden Saison schon mehrmals auf handfesten Widerstand gestoßen sind. Nicht zuletzt diverse homophobe Vorfälle (Leipzig, Dortmund) erzeugen den Eindruck einer zunehmend feindlichen und diskriminierenden Stimmung in Teilen der Fan-Szene.«

Diesbezüglich vermisse man ein Statement der Vereinsführung des FC Schalke 04, der sein Werbespruch »Schalke – Wir leben dich« denn auch bitte bei unrühmlichen Vorfällen ernst nehmen solle. Es reiche nicht aus Transparente gegen Rassismus und Homophobie aufzuhängen und sich ansonsten hinter Satzung und Leitbild zu verstecken. Das gelte auch für den Vorfall, als das Graffiti im Kreisverkehr vor der Geschäftsstelle mit »Juden S04« beschmiert wurde, so die Faninitiative in ihrem offenen Brief weiter.

Ob die mahnenden Worte aufgrund des jetzigen große Wellen schlagenden Einzelfalls nun in diesem Umfang begründet sind sei einmal dahingestellt. Sicherlich ist ein regelmäßiges Aufmerksam machen richtig und wichtig und das Engagement von antirassistischen Initiativen lobenswert. Die Notwendigkeit eines schriftlichen »Rundumschlags« gegenüber vielen und nicht nur dem oder den einzelnen aufgefallenen Schalkern in unseren Augen hingegen eher fraglich. So stellt die Masse in der Schalker Nordkurve letztlich einen Querschnitt der Gesellschaft dar, in der es eben auch Menschen gibt, die durch dumme, pauschale und widerwärtige Parolen auffallen. Generell gilt die aktive Fanszene des FC Schalke 04 nicht zuletzt durch multikulturelle Strömungen innerhalb jedoch als überaus toleranter Haufen mit klarem Bekenntnis gegen Rechts. Dies unterstrichen dutzende Aktionen der »Ultras Gelsenkirchen« und weiteren aktiven Gruppen in den vergangenen Jahren, die nicht nur theoretisch agierten, sondern ihr Engagement gegen rechte Umtriebe auch praktisch und ohne viele Worte bewiesen.

Fotos: eintracht-online.net | Kurvennews am 10.04.2019

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.