#saveourstadium – Südhessischer Traditionsverein kämpft gegen Tribünen-Abriss

Zugegeben: Besonders vielen dürfte der Verein für Rasensport Bürstadt 1910 e.V. trotz fünffach errungener Hessenmeisterschaft auf den ersten Blick vermutlich kaum bis gar nichts sagen. Nichtsdestotrotz blickt der südhessische Traditionsverein auf eine bewegte Vergangenheit zurück, in der sich der VfR bis in die damals noch drittklassige Regionalliga hochkämpfen und das ganze vier Jahre nach dem ersten gescheiterten Versuch sogar 1977 mit einem Aufstieg in die Zweite Liga Süd krönen konnte. Insgesamt vier Jahre spielte der VfR Bürstadt in der zweiten Liga, stieg davon allerdings dreimal direkt wieder ab.

Begünstigt wurde die kleine Erfolgswelle im 16.000-Einwohner-großen Bürstadt durch ein besonderes Sponsoring, mit dem der eigene Vereinsname an einen Geschirrfabrikanten abgetreten wurde und die Südhessen so für knapp zehn Jahre unter dem Namen »VfR 1910 OLI Bürstadt« aufliefen. Der Verkauf der eigenen Identität – in den 70er und 80er Jahren noch bei Weitem nicht so kritisch beäugt wie heute – rächte sich, als der Großsponsor Konkurs anmelden musste und sich dies auf die weiteren Jahre des VfR Bürstadt auswirkte. So drückten den Verein diverse Altlasten, weshalb der damalige Oberligist 2008 selbst Konkurs anmelden musste und sich plötzlich in der Kreisliga wiederfand. Sechs Jahre zuvor musste der Verein aufgrund der Steuerlasten bereits das eigene Vereinsgelände an die Stadt verkaufen, die heute zukunftsfähigere und wirtschaftlich tragbarere Pläne mit dem Robert-Kölsch-Stadion verfolgt.

Überregionale Berühmtheit erlangte das Robert-Kölsch-Stadion durch seine markante Haupttribüne und ist nicht zuletzt aufgrund seines etwas überdimensional wirkenden Gebildes bei vielen Groundhoppern beliebt. Eben jenes im Jahre 1923 erbaute Rund bereitet der Stadt und dem VfR 1919 Bürstadt als betroffener Verein nun großes Kopfzerbrechen, da die 1973 eingeweihte Haupttribüne wirtschaftlich schlichtweg nicht mehr rentabel sei und die Instandhaltung entgegen eines Abrisses ein um ein Vielfaches höher wäre. Hinzu kommen diverse Mängel, wie unzureichende Fluchtwege und eine zu hohe Schadstoffbelastung, die rein sachlich betrachtet nur wenige Argumente für einen Erhalt der Tribüne darbieten. Auf der anderen Seite ist das nostalgische Flair hervorzuheben, durch welches der VfR Bürstadt mit seinem Robert-Kölsch-Stadion eben kein typischer Kreisoberligist ist und aufgrund seines Stadions unter den umliegenden Konkurrenten heraussticht. Die vielen Stufen auf Höhe der Mittellinie – das andersartige, wenn auch nicht brandschutzgerechte Dach und die Weitläufigkeit verschafften dem Stadion einen gewissen Kultstatus, den es bei all den Vorhaben zu berücksichtigen und zu beschützen gilt.

Übrigens Vorhaben. Ganz grundlos wurde die lokalpolitische Debatte über einen Abriss des Stadions nicht losgetreten. So planen die Oberen der Stadt Bürstadt ein maximal 10,6 Millionen schweres Pilotprojekt, in Zuge dessen ein Sport- und Bildungscampus mitsamt Trainingszentrum für den Nachwuchs sowie Betreuungs- und Bildungseinrichtungen inklusive Seminarräumen als eine offene Sportanlage entstehen soll. Finanziert werden soll das unter anderem mit Fördermitteln der »Dietmar-Hopp-Stiftung«, die bereits einige Ausbauten für Sportvereine in der gesamten Region Rhein-Neckar unterstützte. Der Verein selbst sagt dazu deutlich Ja. »Ja zur Integration in den geplanten Sport- und Bildungscampus«. Zugleich aber auch »Nein zum Abriss« der charakteristischen Haupttribüne. Verdeutlicht wird der Wunsch nach einem Erhalt der Haupttribüne mit einem emotionalen Video, dass von Seiten des VfR 1910 Bürstadt e.V. veröffentlicht wurde. Bleibt nur zu hoffen, dass in Bürstadt am Ende eine Entscheidung getroffen wird, in der Zukunft und Vergangenheit Hand in Hand gehen können und ein solches Stück Fußballkultur erhalten bleibt.

Das Video vom VfR 1910 Bürstadt zum Erhalt der Haupttribüne:

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Impressionen vom Robert-Kölsch-Stadion in Bürstadt (groundblogging.de):

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Fotos: groundblogging.de | Kurvennews am 05.06.2018

1 Kommentar

  1. Mehr solcher Texte bitte! Sehr interessant was es für Probleme in Südhessen gibt und dass so ein schöner Groubd zerstört werden soll

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