Relegationsspiele zwischen Wehen & Ingolstadt mit Choreos & Pyro

Ausgerechnet der FC Ingolstadt aus der zweiten und der SV Wehen aus der dritten Liga mussten gegeneinander in der Relegation antreten, deren aktiven Fanszenen doch zu großen Teilen miteinander befreundet sind. Nichtsdestotrotz galt es für beide Szenen den Fokus in den beiden immens wichtigen Spielen auf die eigene Kurve zu legen und so das bestmögliche für einen Verbleib bzw. Aufstieg in die 2. Bundesliga zu geben.

Das Hinspiel zwischen dem SV Wehen und dem FC Ingolstadt fand am letzten Freitag in Wiesbaden statt. Knapp 7.700 Zuschauer kamen hierfür in die Arena der mittlerweile in Wiesbaden ansässigen Profiabteilung des SV Wehen, deren Anhänger eine große Choreografie vorbereiteten. »Zweite Liga soll es sein – SV Wehen Taunusstein« hieß es vor bordeauxroten und roten Bahnen und weißen Luftballons auf einem Banner, während im Gästeblock zeitgleich dutzende rot-weiß-schwarze Fahnen hinter einem »Kämpfen Schanzer!« Banner geschwenkt wurden. Im weiteren Verlauf betonten beide Seiten noch einmal die bestehende Freundschaft zueinander, wofür Wehens Ultràgruppe »Supremus Dilectio« eine Tapete mit der Aufschrift »Kein Spiel kann uns jemals trennen – kein Sieg uns zerteilen – keine Niederlage uns spalten« ausrollte, auf die die Worte »…wir werden immer zueinander halten! In guten wie in schlechten Zeiten! SVW und FCI bis in alle Ewigkeit!« von Seiten der »Supporters Ingolstadt« im Gästeblock folgten. Die aktiven der Schanzer zündeten außerdem noch mehrere Bengalische Fackeln, wofür sich unter einer großen Fahne vermummt wurde.

Vier Tage später folgte das Relegations-Rückspiel im Sportpark zu Ingolstadt. Mit dem 2:1 Auwärtssieg in Wiesbaden hatte der FC Ingolstadt auch dank der Auswärtstor-Regel vor Anpfiff der Partie die deutlich bessere Ausgangslage, die später allerdings später noch kippen sollte. Eingeläutet wurde das Heimspiel durch die Schanzer mit einer Choreografie auf der Südtribüne, deren Stimmungszentrum mit roten und schwarzen Folienstücken ausgestattet wurde. Mittig der Fantribüne wurde außerdem eine runde Blockfahne ausbegreitet, die ein abgewandeltes Vereinslogo zeigte.

Die rund 300 in die oberbayrische Donaustadt mitgereisten Gästefans aus Hessen brachten währenddessen eine große »SV Wehen« Zaunfahne am Gästeblock an, der durch weitere Fahnen und komprimiert wurde und die Gästefans so kompakter beieinander standen. Die Ultras des SV Wehen zogen überdies eine schlichte Blockfahne über die Köpfe und zündeten daraufhin in der ersten Reihe die ein oder andere Fackel. Die Ultras der »Supporters Ingolstadt« nutzten später noch die Möglichkeit um an »Mofo«, einem verstorbenen Gründungsmitglied der eigenen Gruppe zu erinnern. Dieser verstarb im Sommer 2018 unerwartet und hinterlässt bei den »SI« seitdem eine nicht zu schließende Lücke. »Mofo war seit Anbeginn Mitglied unserer Gruppe und in den vergangenen Jahren eine der prägendsten Persönlichkeiten der aktiven Fanszene. Viele Projekte und Tätigkeiten fanden unter seiner Federführung statt« hieß es damals unter anderem von der Gruppe (Beitrag dazu hier), der von befreundeten Fans aus Wehen und Caen großes Mitgefühl ausgesprochen wurde (Beitrag dazu hier).

Auf dem Rasen des mit 12.420 Zuschauern gefüllten Ingolstädter Sportparks entwickelte sich ein spannendes Spiel, an dessen Ende die Gäste die Nase vorn hatten. Dank dreier Auswärtstore bei zwei Gegentreffern steigt der SV Wehen in die zweite Liga auf, aus der man 2008/09 abstieg. »Supremus Dilectio« zu dem Gefühlschaos beim Aufstiegsspiel in Ingolstadt: »Als der Schlusspfiff ertönte konnte niemand glauben was passiert ist. Unsere Mannschaft siegt 3:2 bei unseren Freund*innen in Ingolstadt und ist somit aufgestiegen. Doch was löste das Spiel in uns aus? Es waren die selben gigantischen Emotionen die bereits 2007, damals beim Aufstieg in Pirmasens, ausgelöst wurden. Alle jubeln, liegen sich in den Armen, stürmen auf den Platz und es werden zahlreiche Freudentränen vergossen. Es wird noch ein paar Tage dauern bis wir alle diesen Moment verarbeiten können und realisieren werden, dass wir nächstes Jahr nicht mehr in die bekannten Stadien der 3. Liga ziehen werden, sondern endlich verdientermaßen die Bolzplätze der zweiten Bundesliga wieder sehen dürfen. Für unsere Szene ist es ein lang erstrebter Traum, der nun wahr wird.«

Fotos: Black Red Company, Supremus Dilectio 2008 | Kurvennews am 31.05.2019


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