Reanimation, Pfefferspray & Auseinandersetzungen bei FC St. Pauli gegen Dynamo Dresden

Am gestrigen Samstagmittag gastierte die SG Dynamo Dresden im Millerntor-Stadion des FC St. Pauli. Da die Aufeinandertreffen beider Vereine als brisant gelten, wartete die Hamburger Polizei unter anderem mit schwerem Geschütz wie einem Wasserwerfer und einigen Beamten im Einsatz auf. Zum Einsatz kamen die Polizeikräfte insbesondere im Inneren des Stadions, als es zu einem eher unrühmlichen Vorfall nach einer Reanimation eines FC St. Pauli Fans kam. Doch der Reihe nach.

Zunächst schwiegen beide Kurven im mit 29.546 Zuschauern ausverkauften Millerntor-Stadion für 45 Minuten. Grund hierfür war der bundesweite Protest gegen Montagsspiele und fanunfreundliche Anstoßzeiten generell. Während die »Ultras Dynamo« eine leitende Rolle bei dem Bündnis zahlreicher Fanszenen aus Deutschland einnehmen, nahmen »Ultra’ Sankt Pauli« daran nicht teil, wirkten aber dennoch immer mal wieder an den Aktionsspieltagen – ebenso wie am gestrigen Samstag – mit. Die Südkurve des Millerntor-Stadions wurde dazu mit einem großen »Schafft die Spiele unter der Woche ab!!!« Banner geschmückt, womit die aktiven Fans des Kiezklubs die allgemeine Forderung zahlreicher Fans Ausdruck verliehen. Die Gästefans aus Sachsen griffen auf die Worte »Vereine ihr habt es in der Hand! Montagsspiele abschaffen!« zurück, die auch in vielen anderen Stadien zu lesen waren.

Später richteten die Fans von Dynamo Dresden noch ein Spruchband in Richtung den Ultras des FC St. Pauli, die sich schon bei den vergangenen Jahren das ein oder andere Spruchband-Duell lieferten. Mit »Ihr müsst heute Abend hungern, weil eure Fotzen mit euch im Block rum lungern« schlugen die Dynamofans dabei in die gleiche Kerbe wie bei den vergangenen Begegnungen und bezogen sich auf die auf Sankt-Pauli-Seite besonders hervorgehobene Aktivität von weiblichen Fußballfans in der Kurve. Aufgenommen haben dürften dies die einen sicherlich als humorvolles und nicht allzu ernstzunehmendes Transparent, während es zeitgleich auch Manche gegeben haben dürfte, die sich über die stereotypische und beleidigende Art des Inhalts echauffiert haben.

In der zweiten Halbzeit kam es in der Nordkurve des Millerntor-Stadions unweit des Gästeblocks zu einem Notarzteinsatz, da ein Anhänger des FC St. Pauli auf den Rängen zusammenbrach. Dieser konnte auf der Tribüne dank eines schnellen Einsatzes wiederbelebt werden und wurde anschließend mit dem Verdacht eines Herzinfarktes in ein Krankenhaus gefahren. Für den eingangs erwähnten unrühmlichen Vorfall sorgten ein paar Fans von Dynamo Dresden, die beim Abtransport des verletzten Fans Bierbecher in Richtung der Sanitäter warfen. Im Nachhinein kommentierte eine Sprecherin des FC St. Pauli, dass man nicht wisse, ob das Werfen der Gegenstände den Sanitätern oder der Polizei galt. Zeitgleich sollen drei Dresdner Fans laut der Polizei versucht haben eine St. Pauli-Fahne zu stehlen, was Ordner auf den Plan gerufen haben soll, die sich aufgrund der Rangeleien leichte Körperverletzungen zugezogen haben sollen.

Anschließend kam es zu einem ebenso unrühmlichen wie zu verurteilenden Pfeffersprayeinsatz gegen die ersten Reihen der im Gästeblock befindlichen Personen. Diese wurden mehrfach durch die im Innenraum positionierten Polizeikräfte mit Pfefferspray eingedeckt, wodurch gemeinsam durch weitere Vorkommnisse am Spieltag etwa 25 Personen unter Augenreizungen zu leiden hatten. Als weitere Vorkommnisse wird von Seiten der Polizei Hamburg der Versuch von zwischenzeitlich rund 50 bis 80 mindestens teilweise vermummten Fans aus dem Gästeblock beschrieben, die versucht haben sollen über den Umlauf in benachbarte Blöcke zu stürmen, was diesen auch zunächst gelungen sein soll. Dem Vorausgegangen waren offenbar Provokationen, aber auch das Gerücht einer geklauten Fahne macht diesbezüglich die Runde. In Zuge des Versuchs wurden Teile der Sanitäranlagen im Gästebereichs des Millerntor-Stadions zerstört, deren Summe der FC St. Pauli auf 10.000 Euro beziffert und weshalb die Polizei erneut Zwangsmittel eingesetzt haben soll, da das herausgerissene Sanitäranlagen-Inventar gegen die Beamten eingesetzt worden sein soll.

Mehr oder weniger zeitgleich sollen rund 30 bis 40 FC St. Pauli Fans über die Budapester Straße auf der Süd- und Westseite versucht haben in Richtung Gästeblock zu gelangen, was die eingesetzte Polizei aber verhindert haben möchte. Beim Zurückkehren der Heimfans trennte die Polizei im Bereich des Hallenbades unmittelbar am Stadion indes eben jene größere Personengruppe von einer kleineren, die die FCSP-Fans offenbar für Dynamofans hielt. Später stellte sich heraus, dass es sich bei beiden Gruppen um Anhänger des Kiezklubs und nicht um welche der SG Dynamo Dresden handelte. Nach Abpfiff des 1:1 Unentschiedens fielen einzelne SGD-Fans noch durch »Sieg Heil«-Rufe auf. Ebenso wurden Strafanzeigen wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen gegen bislang unbekannte Tatverdächtige gefertigt.

Alle Fotos: jokersradeberg.de | Kurvennews am 02.12.2018

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