Proteste & Spielunterbrechung bei China U20-Spiel gegen Regionalligisten

Am heutigen Samstagnachmittag fand das erste »Freundschaftsspiel« der chinesischen U20 Nationalmannschaft gegen einen Regionalligisten aus Deutschland statt, dass der Deutsche-Fußball-Bund im Rahmen einer engeren Kooperation mit der asiatischen Wirtschaftsnation vereinbart hatte. So wurde die U20 Nationalmannschaft Chinas in die Regionalliga Südwest integriert, ohne dass es zu einer Wertung der Spiele kommt.

Im Vorfeld gab es zahlreiche Proteste gegen die »China-Pläne« des DFB, der die bereits überhand nehmende Kommerzialisierung damit weiter fördert und ausbaut. Zwar stand es jedem Klub frei zu entscheiden ob Testspiele gegen Chinas U20 ausgetragen werden sollen – die Frage nach Moral erübrigte sich in den meisten Fällen jedoch spätestens mit dem finanziellen Anreiz von 15.000 Euro, die als Bonuszahlung beim Bestreiten der Partie überwiesen werden. Lediglich die Traditionsvereine Waldhof Mannheim, Stuttgarter Kickers und die TuS Koblenz entschieden sich dagegen und verzichteten in Zuge dessen auf die ebenfalls dringend benötigte Summe.

Beim Aufsteiger TSV Schott Mainz hielt sich die Kritik zum eigenen Vorteil offenbar sehr in Grenzen, der am heutigen Samstag den Auftakt geben durfte. Während die medial begleitete Begegnung angepfiffen wurde, fanden sich eine Hand voll tibetischer Aktivisten am Sportzentrum ein, die friedlich auf die völkerrechtlich sehr umstrittenen Umstände in Zentralasien aufmerksam machten. Seit hunderten Jahren schwelt ein Konflikt zwischen Tibet und China, deren Zentralregierung die Region im Westen des Landes annektierte und sie seit Jahren nicht mehr autonom regieren lässt.

Aufgrund dem Zeigen mehrerer tibetischer Fahnen weigerten sich die chinesischen Spieler weiterzuspielen, weshalb die Partie für knapp 20 Minuten unterbrochen werden musste. Erst nachdem die Fahnen wieder eingepackt wurden, konnte das Spiel aus Sicht der Gäste fortgesetzt werden, bei dem weder Vertreter des DFB noch die Gastgeber vor Ort Grund zum Einschreiten sahen. Auf wundersame Weise wurde der offenen Kritik zunächst keinen Einhalt geboten, so dass die tibetischen Flüchtlinge zumindest hierzulande in den Genuss freier Meinungsäußerung kommen durften. Ob sich der Deutsche-Fußball-Bund diese Kritik allerdings selbst anheften wird, bleibt äußert fraglich. Immerhin fand ein weltpolitisches Streitthema die nötige Aufmerksamkeit bei einem ansonsten und in sich mehr als abstrusen »Freundschaftsspiels«.

Fotos: SWR, europlan-online.de | Kurvennews am 19. November 2017

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