Proteste gegen VfB-Präsident & fragwürdiger Polizeieinsatz gegen SCF-Fans

Zum 20. Spieltag empfing der VfB Stuttgart am gestrigen Sonntagabend den SC Freiburg im heimischen Neckarstadion. Die gesamte Ultràszene des VfB nutzte das Heimspiel nach zuletzt sechs sieglosen Partien für deutliche Proteste gegen Wolfgang Dietrich, der seit 2016 Präsident bei den Schwaben ist und unter dessen Klubführung die Profiabteilung des VfB 2017 zu einer AG ausgegliedert wurde. Bereits zu diesem Zeitpunkt stieß der frühere Unternehmer auf großen Widerstand in der Cannstatter Kurve, konnte sich jedoch auch auf einige Befürworter verlassen, die entweder durch Merchandise-Artikel geködert wurden, oder ganz eigenwillig davon überzeugt waren, dass es mit dem Verein für Bewegungsspiele nun bergauf ginge.

Dem ist dem aktuellen Tabellenstand nach zu urteilen bei Weitem nicht so. Der VfB Stuttgart steht auf dem 16. Platz der Bundesliga-Tabelle und macht keine Anstalten aus dem Tabellenkeller herauszukommen. Angesichts der großen Versprechen und den optimistischen Aussagen Dietrichs folgte gestern Abend nun die deutliche Abrechnung in Form einiger Spruchbänder, die von den aktiven Gruppen der Cannstatter Kurve entrollt wurden. Neben einem noch allgemein an die Mannschaft gerichteten »Wir erwarten Kampf und Einsatz für unsere Farben!!!« Banner durch den »Schwabensturm«, folgte ein Transparent mit der Aufschrift »Nur ein ahnungsloser Vollidiot glaubt an einen Zusammenhalt mit euch Blendern und Wahrheitsbeugern! Dietrich raus!«

Die »Schwaben-Kompanie Stuttgart« warf dem ein »Dank Dietrich werden Bahnhof und Verein bald unterirdisch sein« Spruchband hinterher, wodurch ein Sinn gebender Vergleich mit dem Bahnprojekt »Stuttgart21« anstellte, bei dem VfB-Klubboss Dietrich vor seiner Amtszeit beim Bundesligisten Sprecher gewesen war. Zugleich wurde an die glorreicheren Jahre des VfB in Person von Robert Schlienz gedacht, der als einer der besten Spieler überhaupt mit dem Brustring auf dem Trikot galt und am gestrigen 3. Februar Geburtstag gehabt hätte. Schlienz ist 1924 in Stuttgart-Zuffenhausen geboren und starb 1995 an einem Herzinfarkt.



Neben den Forderungen des »Schwabensturms«, der »Schwaben-Kompanie Stuttgart« und der »Crew 36« beteiligte sich auch das »Commando Cannstatt« an der Kritik an Wolfgang Dietrich, in dem die führende Ultràgruppe zwar nicht das Hauptproblem beim VfB Stuttgart sehen, zugleich aber ihn als Aushängeschild für seit Jahren bestehende Probleme im Klub betrachten. So fehle es an Fachkompetenz im Verein und anstatt einer Umstrukturierung hin zu der groß angekündigten Professionalität mitsamt transparentem und glaubwürdigem Handeln, ginge es laut dem »CC97« vielen Personen im Verein lediglich um einen Selbstzweck.

Auf der Gegenseite blieb es zunächst 30 Minuten nach Anpfiff der Partie ruhig. Grund dafür war das Vorgehen der Polizei im Außenbereich des Gästesektors, in dem die Beamten rund 1.500 Fans des SC Freiburg in einem engen Korridor vor den Stadioneingängen festhielt. Als Begründung für das äußerst fragwürdige und offenbar fast eine Massenpanik auslösende Vorgehen diente das Zünden von etwas Pyrotechnik durch drei Anhänger, die zum Zeitpunkt der Einkesselung jedoch bereits festgenommen worden sein sollen. Wie aus einer geschlossen von den Gruppen »Natural Born Ultras«, »Corillo Freiburg«, »Immer wieder Freiburg«, »Synthesia Ultras 79« und der »Supporters Crew Freiburg« unterzeichneten Stellungnahme hervorgeht, sei es nur den besonnenen Fans des Sportclub Freiburg zu verdanken, dass es unmittelbar vor dem Neckarstadion zu keiner Massenpanik kam.

Nach vielen Minuten des Ausharrens auf engstem Raum und ohne jegliche Informationen durch die Polizei, löste diese letztlich die Einkesselung auf, wodurch die Gästefans zwar immerhin ins Stadion konnten – sich zunächst jedoch einer erneuten Drucksituation an den Drehkreuzen des Stadioneingangs konfrontiert sehen mussten. Darüber hinaus berichten die Freiburger Ultras von völlig fehlender Kommunikation seitens der Beamten, einer zusammengebrochenen Person inmitten des durch Polizeikräfte geschlossenen Korridors und einer offenbar billigend in Kauf genommenen Massenpanik.

Eine halbe Stunde nach Anpfiff der Partie waren die zuvor rund 1.500 eingeschlossenen Gästefans dann endlich im Inneren des Stadions und brachten dort zum Ausdruck, was man vom gestrigen Spieltagsgegner hielt. So fielen die »Natural Born Ultras« mit einem »Stuttgart-Schweine« Schwenker auf und hielten zwei Doppelhalter in die Höhe, auf denen jeweils ein Nothammer zusehen war, der auf das Schwabensturm- bzw. CC97-Logo einschlug. Hintergrund des Doppelhalters war ein Vorfall beim letzten Freiburger Gastspiel in der baden-württembergischen Landeshauptstadt, vor dem sich ein Bus mit SCF-Ultras verfuhr und von Heimfans angegriffen wurde. Trotz Pöbeleien im Vorfeld sollen die Gäste dabei nicht von der Türöffnung im Bus Gebrauch gemacht haben, was die Stuttgarter Ultras mit einem »Nothahn blieb ungenutzt«-Banner im Muster der NBU-Fahne beim Rückspiel konterten. Am gestrigen Abend konterte das »CC97« die erneuten Provokationen aus dem Gästeblock mit einem »SCF: Euer Derby war letzte Woche!« Spruchband, welches sich auf das Badische Duell gegen Hoffenheim vergangene Woche und einem dort gezeigten Transparent mit der Verneinung eines Derbys bezog (Beitrag dazu hier).

Auf dem Rasen des Neckarstadions gingen die Gäste aus dem Breisgau in der 4. Minute in Führung und es dauerte bis zur 75. bis der VfB zum 1:1 ausglich. Ein paar Minuten später gingen die Gastgeber gar mit 2:1 in Führung, ehe der SCF in der Nachspielzeit zum 2:2 ausglich. Verfolgt wurde die Begegnung von 51.089 Zuschauern. Freunde zu Gast auf der Heimseite: »Pfalz Inferno« bei der »Schwaben Kompanie Stuttgart«. Freunde zu Gast im Gästeblock: Ultras des Zürcher Eishockeyklubs ZSC Lions bei den »Natural Born Ultras«.

 Fotos SC Freiburg: 

 Fotos VfB Stuttgart: 

Fotos: timo0711.blogspot.com, nordtribuene.org, nur-der-scf.de | Kurvennews am 04.02.2019


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