Paderborner Fanszene droht mit Fernbleiben nach RB-Kooperation

Äußerst überraschend teilten der Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn und RB Leipzig zu Beginn dieser Woche mit künftig sportlich eng zusammenarbeiten zu wollen. Vereinbart wurde die sportliche Zusammenarbeit in Zusammenhang eines Wechsels des bisherigen Paderborner Sportdirektors Markus Krösche, der in Leipzig die Nachfolge von Ralf Rangnick antreten wird. Rangnick zieht sich bei Rasenballsport zurück und wird sich stattdessen fortan mit der Entwicklung der Red-Bull-Fußballteams aus New York und Brasilien im Hintergrund beschäftigen.

Geeinigt hatte man sich während den Ablöseverhandlungen zwischen Paderborn und den Roten Bullen aus Leipzig auf eine intensive sportliche Kooperation, mit der man sich in den Bereichen Scouting, Hospitation und Marketing austauschen möchte. Dabei ist auch anvisiert, dass RB Leipzig zukünftige Transfers zunächst an den SC Paderborn ausleihen wird, damit diese beim Aufsteiger Spielpraxis sammeln können, ehe die Profis später dann nach Leipzig wechseln. Ähnlich handhabt es der österreichische Meister Red Bull Salzburgmit dem zweitklassigen FC Liefering, der seit gut zehn Jahren als Farmteam für den Brauseklub herhalten darf.



Laut des Präsidenten des SC Paderborn beschränkt sich die Zusammenarbeit zwischen dem SCP und RB Leipzig rein auf eine sportliche Kooperation, was die Fanszene Paderborn dennoch als »Verlust der Seele und Identität [ihres] bodenständigen Fußballvereins« betrachtet. In einer heute veröffentlichten Mitteilung (hier lesen) beziehen die Paderborner Ultràgruppen Stellung zu der Kooperation und fordern den eigenen Sportclub dazu auf von der anvisierten Zusammenarbeit Abstand zu nehmen. Nicht nur »sportliche Vorteile werden durch den Verlust der Seele und Identität unseres bodenständigen Fußballvereins teuer erkauft«, auch »Wirtschaftliche Vorteile werden aufgrund eines deutschlandweiten Imageverlustes und einer einseitigen Abhängigkeit nicht nachhaltig zu realisieren sein«, heißt es von den »Supporters Paderborn«, »Passione« und den »Black Blue Fighters« sowie deren Nachwuchsgruppen »Striving Youth«, »Ambiente« und »Ratio Paderborn«.

»Unser SCP stand immer für ein demokratisches und von den Mitgliedern geprägtes Vereinsleben. Mit einem Konstrukt, in dem diese Werte mit Füßen getreten werden, kann keine Partnerschaft eingegangen werden. Dass eine Entscheidung, die das Wesen und das Erscheinungsbild des Vereins für immer verändern wird, ohne Einbezug der Fans und Mitglieder getroffen wurde, ist für uns absolut inakzeptabel«, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme bezüglich der nun öffentlich gemachten Kooperationsvereinbarung weiter, durch die man laut eigener Aussage zurecht als »Leipzig-Filiale« oder »Farmteam« verschmäht wird. Beendet wird die Ankündigung unmissverständlich mit den Worten: »Unsere Vereinsliebe und die jahrzehntelange Unterstützung stirbt mit dem Tag einer RB Leipzig Kooperation.«

Als Konsequenz kündigen die Gruppen an, als aktive Fanszene, den Spielen ihres SC Paderborn 07 bis auf Weiteres fernzubleiben, sollte die Zusammenarbeit mit RB Leipzig tatsächlich umgesetzt werden. Versuche durch die Verantworlichen des SCP, die Vereinbarung mit dem Brausekonstrukt zu relativieren, dürften bei der klaren Forderung seitens der Fans ebenso wie ein Gesprächsangebot kaum Früchte tragen.

Fotos: Black Red Company, Fanszene Paderborn | Kurvennews am 05.06.2019


1 Kommentar

  1. Hallo!

    Die Kooperation mit RB Leipzig wäre ein großer Schritt für den SC Paderborn, sofern bestimmte Standards, z.B. weitere Förderung des eigenen Nachwuchses, gewährleistet werden. Da seien ein paar kritische Bemerkungen gestattet: der Abgang von Spielern wie Herzensbruch oder Boeder ist kontraproduktiv und sportlich unbegreifbar. Auch sollte der deutsche und regionale Charakter nicht weiter verwässert werden. Aaaaber: Leipzig ist ein starker Partner und ein ehrgeiziger, der ebenso auf der “Vorwärts”-Idee des SCP beruht und zudem auf dem Engagement eines bekannten Investors, der den Fremdeinflüssen von irgendwelchen Scheiss deutlich vorzuziehen ist.

    Beste Grüße, Tanja Krienen

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