Morgendlicher Spaziergang von HSV-Ultras durchs Kieler Rotlichtviertel

Bei der am gestrigen Sonntag ausgetragenen Zweitliga-Partie zwischen Holstein Kiel und dem Hamburger SV von einem Nordderby zu sprechen würde den Bogen sicherlich überspannen. Nichtsdestotrotz handelte es sich um ein durchaus brisantes Duell, lieferten beide Fanszenen durch so manche Aktionen und Provokationen in der jüngeren Vergangenheit doch Gründe genug für ein angespanntes Verhältnis. Unter anderem attackierten im Sommer über 50 Ultras und Hooligans des Hamburger SV Anhänger aus Kiel, die ihre zweite Mannschaft beim Oberliga-Relegationsfinale im Hamburger Stadtteil Ottensen unterstützten (Beitrag dazu hier). Zwar war die Kieler Fanszene an diesem Tag nicht geschlossen und in voller Stärke in Hamburg anwesend – zwei Dutzend aktivere Fans fanden sich neben weiteren normalen Holsteinern dennoch am Sportplatz Kreuzkirche ein.

Nun stand noch vor der Winterpause der erste Rückrunden-Spieltag auf dem Programm, der zumindest für die Gästefans bereits sehr früh begann. Bereits gegen 7 Uhr in der Früh zogen circa 150 Ultras und Sportliche des Hamburger SV durch das Rotlichtviertel Kiels und hätten sich wohl über Bekanntschaften mit den Gastgebern gefreut. Die etwas überraschte Polizei entdeckte die große Gruppe HSV-Fans und begleitete sie anschließend durch die Stadt und zum Holstein-Stadion. In diesem widmeten die Ultras des Hamburger SV neu hinzugekommenen Stadionverbotlern ein mutmachendes Spruchband und spotteten mit einer Zecken-Abbildung sowie einem »Hilfe Kommissar, die HSV-Fans ärgern mich!« Spruchband aller Wahrscheinlichkeit nach über auskunftsfreudige Anhänger des FC St. Pauli, die mit den Stadionverboten in Verbindung stehen dürften. Die Abneigung gegenüber der Polizei wurde überdies mit einem weiteren bemalten Laken bewiesen, neben dem eine Bengalische Fackel gezündet wurde.

Die Heimseite um Block 501 nahm mit einem »Förderschule grüßt LRS-Kurs aus HH!« Transparent auf Rechtschreibfehler, die sich in mehreren vergangenen Hamburger Choreografien eingeschlichen hatten. Dies ist mittlerweile schon fast zum Running Gag geworden auf den sich schon mehrere Gegner des HSV bezogen, was die eigentlichen und respektablen Choreoarbeiten an sich jedoch nicht schmälern sollten. Außerdem wurde sich im Fanblock von Holstein Kiel, in dem sich am gestrigen Sonntag auch befreundete Fans von Hessen Kassel einfanden, noch für das »geile Jahr« bedankt. Etwas überraschend schafften es die Störche zum Ende der Saison 2017/18 in die Relegation zur ersten Liga und spielen in diesem Jahr erneut eine sehr solide Zweitliga-Saison. Überwintern darf die Kieler Sportvereinigung auf dem 5. Tabellenplatz, den sie sich dank eines 3:1 Heimsieges über den HSV auch durchaus verdient hat. Das Holstein-Stadion war beim Nordduell mit 10.073 Zuschauern ausverkauft – rund 1.500 davon waren den Gästen aus der Hansestadt zuzurechnen.

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23.12.2018 Germany🇩🇪 Hamburg (HSV) in Kiel

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Fotos: calcio-culinaria.de | Kurvennews am 24.12.2018


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