Mehrere hundert FC St. Pauli Fans verpassen Auswärtsspiel nach großem Polizeieinsatz

Am heutigen Sonntagmittag gastierte der FC St. Pauli beim DSC Arminia auf der Bielefelder Alm. »Ultra’ Sankt Pauli« riefen für das Auswärtsspiel in »irgendeiner ostwestfälischen Kleinstadt« zur Zugfahrt auf und trafen sich hierfür um 6:15 Uhr am Reisezentrum des Hamburger Hauptbahnhofs. Während sich der Fahrt mehrere hundert Ultras und Fans anschlossen, soll diese bis zur nordrhein-westfälischen Landesgrenze zunächst ohne größere Vorkommnisse verlaufen sein.

Im weiteren Verlauf der Zugfahrt soll es laut Polizeiangaben zu Provokationen gegenüber den mitfahrenden Beamten gekommen sein, woraufhin die Situation am Bahnhof Melle erstmals eskaliert sein soll. Als die Polizeibeamten einen »Provokateur« aus der Gruppe ziehen wollten, um die Identität eben jenen Fans festzustellen, sei es zu körperlichen Angriffen mithilfe von Fahnenstangen und Schlägen von Seiten der FC St. Pauli Fans gekommen. Die Polizei setzte sich laut eigenen Angaben dabei mit Pfefferspray zu Wehr, während die Beteiligten in der Masse verschwinden konnten.

Von Mitfahrern des Regionalzugs wurde uns gegenüber mitgeteilt, dass es zunächst keinerlei erkennbare Gründe gegeben habe und die Polizei generell auf Stress ausgewesen sein soll. Der »Magischefcblog« berichtet unterdessen von einzelnen Rauchern im Zug, was die Polizei offenbar zu einem großen, unverhältnismäßigen Einsatz gegen die Fans veranlasste. Bei Ankunft am Bielefelder Hauptbahnhof wurde der gesamte Zugfahrerhaufen, der rund 300 Fans groß gewesen sein soll, von zahlreichen Polizeikräften in Empfang genommen. Die Bundespolizei soll damit zum Ziel gehabt haben, die zuvor untergetauchten Fans aus der Gruppe loszulösen und die Personalien dieser aufzunehmen. Die Fans und Ultras des FC St. Pauli sollen sich auch hierbei solidarisch gezeigt und es der Polizei nicht ermöglicht haben, dies ohne weiteres zu tun. Einzeln sollen die Fans dann die Personalien abgegeben haben, wobei es laut Augenzeugen zwar zu keinen körperlichen Auseinandersetzungen mehr kam, die ganze polizeiliche Maßnahme jedoch gesanglich begleitet wurde.

Aufgrund der sich in die Länge ziehenden Personalienaufnahmen war ein rechtzeitiges Eintreffen am Stadion Alm unmöglich und selbst gegen Ende des Spiels war die Maßnahme am Bahnhof noch nicht beendet. Im Gästeblock des Bielefelder Stadions waren zu Beginn des Spiels deshalb deutliche Lücken im unteren Bereich des Stehbereichs zu sehen, in dem die wenigen bereits aufgehangenen Zaunfahnen wieder abgehangen wurden. Die Lücke wurde nach einer Viertelstunde größer und größer, nachdem sich immer mehr Fans aus dem Stadion dazu entschieden die erste Halbzeit aus Solidarität vor dem Block zu bleiben. In der zweiten Halbzeit kehrten einige der Fans wieder in den Block zurück und sahen von dort aus, wie ihr Klub einen 0:1 Rückstand in einen 2:1 Auswärtssieg drehte. Die sich am Bahnhof befindlichen Fans waren zu diesem Zeitpunkt noch in den Kontrollen verwickelt, die auch noch zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags weiter anhalten. Für die Rückfahrt nach Hamburg soll die Polizei weitere Kräfte für den Regionalzug abgesetzt haben, da man mit einem »Frustabbau« der aktiven Fans rechne.

Video von der Solidaritätsbekundung von Fans und Spielern im Stadion:

(im Instagram-Beitrag ganz nach rechts klicken)

Fotos: Instagram.com/tinoleipholz, Matthias Dröge | Kurvennews am 04.11.2018

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