Mehrere Festnahmen, gefundene Pyrotechnik & Busangriff in Augsburg gegen Mainz

Gerade einmal 15.561 Zuschauer kamen am Dienstagabend ins Schwabenstadion, um dem Pokalduell zwischen dem FC Augsburg und dem 1.FSV Mainz 05 beizuwohnen. Aufeinandertreffen zwischen beiden Vereinen gelten seit dem Verlust der »Rude Boys«-Zaunfahne an Mainzer Ultras als durchaus brisant, wenngleich am Dienstag kaum jemand von größeren Auseinandersetzungen ausgegangen sein dürfte.

Nichtsdestotrotz war rund um das auf dem Papier eher unspektakuläre Spiel einiges in der Fuggerstadt los und sowohl vor als auch nach dem Spiel kam es zu Vorfällen. Die Augsburger Ultràszene traf sich am Nachmittag im Universitätsviertel und machte sich am Abend auf den Weg in Richtung Stadion. Dabei soll der rund 150 köpfige Haufen zunächst einen kleinen Fußmarsch zurückgelegt haben, wobei zwei kleine Böller gezündet worden sein sollen. Wie uns aus der Fanszene des FC Augsburg zugetragen wurde, soll die Polizei die Fans zu diesem Zeitpunkt ermahnt und angekündigt haben, beim weiteren Zünden pyrotechnischer Gegenstände Kontrollen durchzuführen. Allgemein soll die Polizei ein unverhältnismäßig großes Aufgebot aufgefahren und sich sehr ruppig gegenüber den Fans und Ultras verhalten haben.

Dazu entschlossen per Straßenbahn in Richtung Schwabenstadion weiterzufahren, kam es zu einer größeren Kontrolle einiger aktiver Fans, nachdem die Polizei für wenige Minuten die Türen der Bahn dicht machte. Dem vorausgegangen war offenbar ein erneutes Zünden von einem Böller und etwas Rauch, der auch in die Straßenbahn gezogen sein soll.  Die Polizei nahm die Personalien von rund 120 Anhängern, bei denen unter anderem pyrotechnische Gegenstände, Mundschützer und ein Paar sogenannte Quarzhandschuhe gefunden wurden. Darüber hinaus soll es zu mehreren Ingewahrsamnahmen gekommen sein.Die Kontrollen sollen sich laut beteiligten Personen derart in die Länge gezogen haben, weshalb die Augsburger Ultràszene erst in der zweiten Halbzeit den Support im M-Block aufnahm. Ein Mitgrund dafür war auch die Einstellung des Straßenbahnverkehrs, weshalb die Fans rund drei Kilometer zum Stadion laufen mussten.

Im Inneren des Stadions, in dem eine Minuskulisse herrschte, wussten beide Seiten keine wirklichen Höhepunkte zu setzen. Im Gästebereich verkleinerten die Mainzer Ultras den Block etwas, um so ein kompaktes Bild in der Fuggerstadt abzugeben. was den Gästen aus Rheinhessen auch gelang. Nach dem Spiel, welches mit 3:2 nach Verlängerung für den FC Augsburg endete, sollen rund 20 motivierte Heimfans versucht haben einen Bus mit Gästefans anzugreifen. Wie die Polizei dazu mitteilte, flüchteten die vermummten Angreifer beim Einschreiten der Beamten. Zu einem direkten Kontakt kam es demnach offensichtlich nicht. Im Nachhinein meldete sich die »Rot-Grün-Weiße Hilfe« zu den Ereignissen am Pokalspieltag und kritisiert die in der Anzahl unverhältnismäßig eingesetzte Polizei und eine Kriminalisierung von FCA-Fans, die wegen den Taten Einzelner als gesamter Haufen in Sippenhaft genommen wurden.

Die Stellungnahme vom 01.11.2018 der Rot-Grün-Weißen Hilfe aus Augsburg:

STELLUNGNAHME ZUM POLIZEIEINSATZ VOR DEM POKALSPIEL FC AUGSBURG – FSV MAINZ 05

Im Vorfeld von Heimspielen treffen sich FCA-Fans regelmäßig in der Nähe der Universität, um sich auf das Spiel einzustimmen – so auch am Dienstag Abend im Vorfeld des DFB-Pokalspiels gegen Mainz. Die Stimmung unter den rund 300 Fans war von friedlicher Vorfreude geprägt.

Dass sich die FCA Fanszene gestern an diesem Ort traf, war auch der Augsburger Polizei bekannt. Aus diesem Grund ist im Vorfeld von FCA-Heimspielen eine ständige Präsenz von Einsatzkräften an der Straßenbahnhaltestelle Universität nicht ungewöhnlich, ebenso nicht eine Begleitung von Fanmärschen zum Stadion zum Zwecke der Verkehrssicherung o.ä.

Ungewöhnlich war jedoch, angesichts der zu erwartenden Rahmenbedingungen, die Größe des  Polizeiaufgebots. Auf Grund des spätabendlichen Termins waren insgesamt wenige Zuschauer zu erwarten, wenige Verkehrsprobleme im Stadionumfeld, sowie eine problemlose Fantrennung ob der wenigen Gästefans an einem werktäglichen Spieltermin. Nun stellt sich die Frage, ob ein solches Großaufgebot an Einsatzkräften in Anbetracht der vorgenannten Rahmenbedingungen zu rechtfertigen ist. Während die Polizeigewerkschaften bundesweit seit Jahren nicht müde werden, die permanente Belastung der Beamten durch Überstunden zu beklagen, scheint die Augsburger Polizei mitsamt der beteiligten Kräfte der Bereitschaftspolizei und des USK von diesem Problem wohl verschont geblieben zu sein!?

Eine „Manndeckung“ der FCA Fanszene wäre schon deshalb nicht nötig gewesen, weil diese es als einen ihrer Grundsätze betrachtet, verantwortungsvoll mit ihrer Heimatstadt umzugehen. Bei den traditionellen Saisonabschlussmärschen vom Rosenaustadion zum Schwabenstadion beispielsweise stellt die Fanszene seit Jahren eigenverantwortlich Ordner und legt sich selbst ein Glasflaschenverbot auf, um eine Verunreinigung der eigenen Stadt zu vermeiden.

Gegen 18:30 Uhr machten sich schließlich die FCA-Fans auf den Weg ins Stadion. Doch noch bevor die Gruppe die ersten 100 Meter zurückgelegt hatte, wurden sämtliche Fans, offenbar aufgrund eines ins Gebüsch geworfenen Feuerwerkskörpers, eingekesselt und für mehrere Minuten an der Fortbewegung gehindert. Nachdem nach weiteren wenigen Metern anscheinend ein weiterer Knallkörper gezündet worden war, wurden alle anwesenden Fans erneut für eine längere Zeit am Weiterlaufen gehindert. Nach Dafürhalten der Rot-Grün-Weißen Hilfe sind Feuerwerkskörper kein zwingender Bestandteil eines entspannten Fußballtages – erzwungene Sippenhaft für eine große Gruppe Fußballfans wegen einer von einzelnen Personen begangenen Ordnungswidrigkeit aber ebenso wenig.

Teilnehmer berichten von ruppigem Verhalten der Beamten und Provokationen gegenüber den Fans. Zwischenzeitlich wurde offenbar gar versucht die rund 300 Fans einzeln durch ein Spalier marschieren zu lassen. Statt den Marsch zu begleiten, die Sicherheit für alle Beteiligten zu gewährleisten und bei Fehlverhalten gezielt zu intervenieren, wirkte die Einsatzstrategie an diesem Tag alles andere als deeskalativ. So manifestierte sich bei vielen FCA-Fans der Eindruck, dass die massive Machtdemonstration der polizeilichen Einsatzleitung an diesem Abend möglicherweise ein anderes Hauptinteresse verfolgte.

Wohl um dem Katz und Maus Spielchen zu entgehen, entschlossen sich die Fans nun mit der Straßenbahn weiterzufahren. Als die Straßenbahn in die Haltestelle einfuhr, wurden von Einzelpersonen anscheinend erneut Feuerwerkskörper gezündet und auf das gegenüberliegende Gleis geworfen, auf dem sich wohl vereinzelt Personen und Polizeibeamte befanden. In Folge dessen drangen auch Rauchschwaden in die Straßenbahn, wodurch möglicherweise ein Polizeibeamter leicht verletzt wurde. Ein derartiges Verhalten ist nicht zu tolerieren. Es wäre jedoch ebenso falsch, das Fehlverhalten Weniger auf die gesamte Fanszene zu projizieren.

Nach wenigen Metern wurde die abfahrende Straßenbahn von der Polizei für über eine Stunde gestoppt und weite Teile des Universitätsviertels abgeriegelt. Durch diese umfassende Maßnahme wurden viele aus der Innenstadt und aus dem Augsburger Osten kommende Fans an der Anreise zum Stadion gehindert. Etliche Fans wurden mangels Straßenbahn zum Antritt langer Fußmärsche zum FCA Stadion gezwungen und mussten über unbeleuchtete Wiesen und Wege entlang der B17 zum Stadion laufen.

Die Fahrgäste der gestoppten Straßenbahn wurden offenbar in „normale“ und „nicht normale“ Fans aufgeteilt und letztere einzeln einer langwierigen Personenkontrolle unterzogen. Für das vereinzelte Zündeln einiger Weniger, wurden hunderte Fans in Sippenhaft genommen. Bemerkenswert ist auch, dass es wohl keine dieser Ursache zuzuordnenden Verhaftungen gegeben hatte.

Die Heimspiele des FCA verlaufen seit Jahren entspannt. Auf die Quote der durch Heimfans begangenen Straftaten und auf die Anzahl von Verletzten blicken Organisatoren einer jeden ähnlichen großen Veranstaltung neidisch. Eine sinnvolle Rechtfertigung für die gestrig aufgebaute Drohkulisse durch die Augsburger Einsatzleitung ist nicht ersichtlich. Einer Entspannung des ohnehin vorbelasteten Verhältnisses Fans – Polizei ist eine solche Einsatztaktik jedenfalls nicht zuträglich. Wir fragen uns angesichts des riesigen Polizeiaufgebots außerdem, ob die Eskalation möglicherweise sogar sehenden Auges in Kauf genommen wurde.

Dass nach dem Spiel, laut Polizeiangaben, Personen versucht haben sollen, zu Mainzer Bussen vorzudringen, nehmen wir zur Kenntnis. Hierüber liegen uns keinerlei Informationen vor.

Nichtsdestotrotz kann und soll das Werfen pyrotechnischer Gegenstände nicht durch ein mögliches Fehlverhalten der Ordnungskräfte gerechtfertigt werden.

Solltet ihr eine Anzeige oder Vorladung der Polizei erhalten, so wendet euch – gleich ob Mitglied oder nicht – ebenfalls zuerst an uns.

Rot-Grün-Weiße Hilfe Augsburg

Fotos: Kurvennews, rheinhessen-on-tour.de | Kurvennews am 02.11.2018

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