Jenaer Fans beerdigen Erzfeind & RWE-Fans zünden mehrfach in ereignisreichem Thüringenderby

Ein mit 9.650 Zuschauern restlos ausverkauftes Ernst-Abbe-Sportfeld und ein sonniger, wenn auch kalter, Sonntagmittag stellten die optimalen Rahmenbedingungen für ein spannendes Thüringenderby zwischen dem FC Carl Zeiss Jena und Rot-Weiß Erfurt dar. Letztere stehen abgeschlagen auf dem letzten Platz der Drittliga-Tabelle, was die Jenaer Fans zum Anlass nahmen den RWE mittels paralleler und aufeinander abgestimmter Choreografien endgültig »zu beerdigen.

So wurde mit schwarzem Rauch, diversen Totenköpfen und den Worten »rest in hell« [»ruhet in der Hölle« bzw. »schmort in der Hölle«] eine düstere Kulisse geschaffen und die Südkurve kurzerhand in einen Friedhof verwandelt. Parallel dazu wurde im äußersten Block der Haupttribüne ein Totengräber als Blockfahne hochgezogen und mit schwarzen Pappen ein dunkler Hintergrund erzeugt. Wenige Augenblicke später wurde das Ganze in ein farbenfroheres Kurvenbild unter dem Motto »and now we yell« [»und jetzt schreien wir«] eingetauscht, bei dem Fahnen in den Vereinsfarben geschwenkt und bunter Rauch gezündet wurde. Auf der Haupttribüne wurden zeitgleich dazu die schwarzen Pappen durch Blaue, Weiße und Gelbe ersetzt.

Im Gästeblock konnten die Erfurter Fans mit einem einheitlich rot-weißen Gesamtbild überzeugen, das durch Ponchos und einem langen »im finsteren Tal, fürchte kein Unglück, denn wir sind bei dir« Banner zustande kam. Dazu wurden zu Spielbeginn einige Bengalische Fackeln gezündet, die an die farbliche Aufteilung im Block angepasst waren. Neben einer weiteren Pyroshow durch Stadionverbotler des FC Rot-Weiß Erfurt außerhalb des Stadions auf einem Hügel, wiederholte sich die Pyroshow in der Gästekurve noch einmal Mitte der zweiten Halbzeit. Dabei überkletterten einzelne Jenaer Ultras den Zaun zum Innenraum was der Auslöser für Auseinandersetzungen zwischen Ordnern bzw. Polizeikräften und den Fans war, in Zuge dessen mehrere Zaunfahnen in der Südkurve abgehangen wurden. Nach einigen Minuten verlagerte sich der Fokus wieder auf den Rasen, auf dem ein 19 jähriger Spieler des FC Carl Zeiss Jena durch den entscheidenden Siegtreffer in der Nachspielzeit zum Derby-Helden aufsteigen konnte. Für die Gäste aus der thüringischen Landeshauptstadt war dieser Schlag doppelt bitter, da man sportlich einen sicher geglaubten Punkt herschenken musste und auf Fanebene der Message der Jenaer Choreografie einen Schritt näher gekommen ist.



Fotos: Martin van Elten, Kurve des Ostens | Kurvennews am 26. Februar 2018

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