Hohe Polizeipräsenz, Chaosintro & Provokationen bei Babelsberg 03 gegen Chemnitz

Mit großer Sorge schienen die Behörden die Regionalliga-Begegnung zwischen dem SV Babelsberg 03 und dem Chemnitzer FC im Vorfeld betrachtet zu haben, die deshalb als Hochsicherheitsspiel deklariert wurde.  Damit verbunden war eine erhöhte Polizeipräsenz, die sich am Spieltag auf satte 300 Einsatzkräfte inklusive Reiterstaffel und bereitstehende Wasserwerfer beziffern ließ. Angesichts der 2.247 Zuschauer im Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadion dürfte dies im Nachhinein selbst den verantwortlichen Entscheidungsträgern als überzogen vorgekommen sein, da es letztlich unter beiden Fanlagern weitgehend friedlich blieb und die Polizei nur vereinzelt eingreifen musste. Als brisant galt die Partie vor allem aufgrund der Freundschaft von Teilen der Chemnitzer Fanszene nach Cottbus und dem Fakt, dass beide Vereine seit sechs Jahren nicht mehr aufeinander getroffen sind.

Eingeläutet wurde die Viertligapartie mit einem Chaosintro in der Nordkurve, in der die Babelsberger Ultras zunächst ein »Unsere Fahne sie weht!« Banner am Zaun anbrachten und mit einem anschließenden »Unsere Kurve sie lebt!« Banner Konfetti sowie Luftschlangen warfen und blau-weiße Fahnen in die Höhe streckten. Die Gästefans beschränkten sich auf den Einsatz von Schals und Fahnen und schmückten den Gästeblock mit einer »eingetragener Verein seit 1990 – Chemnitzer Fußballclub e.V.«-Zaunfahne. Am Rande des Gästebereichs fielen vereinzelte Personen mit einer Reichsflagge auf, die als Provokation gegenüber der links eingestellten Babelsberger Fanszene galt. Zur Schau gestellt wurde diese von einer Person, die sich versuchte mit einem roten Shirt zu vermummen, wodurch diese wohl den anwesenden Fans von Energie Cottbus zugerechnet werden kann.

Inwiefern der Chemnitzer FC bzw. die entsprechenden handelnden Personen von einer solchen Aktion Nutzen davon tragen, bleibt ebenso fraglich wie ein vorhandenes Denkvermögen, sich wegen einer solch generell stumpfen Zurschaustellung der eigenen rückschrittlichen Gesinnung ein Stadionverbot und eine rechtliche Strafe abzuholen. Gleichwohl stellt sich angesichts der vielen aufgehängten Fahnen aus dem Umfeld der »Antifaschistischen Aktion« in der Nordkurve Babelsberg die Frage, ob hier noch eine Grundhaltung für Toleranz und gegen Diskriminierung gezeigt wird oder ob die Fankurve komplett zur Bühne radikaler politischer Haltungen verkommt. Unter dem Strich musste die Polizei trotz der Brisanz nur vereinzelt eingreifen, wird das Schwenken der verbotenen Reichsflagge ebenso wie das Zeigen eines Hitlergrußes von Seiten eines Gästefans rechtlich verfolgen, und zieht ein positives Fazit unter die Viertligapartie. In dieser trennten sich der SV Babelsberg 03 und der Chemnitzer FC mit 1:2 voneinander, wodurch die Himmelblauen mit drei Siegen aus drei Spielen aktueller Spitzenreiter der Regionalliga Nordost sind.

Fotos: Nowaweser Kiezkurier – 03fotos.de | Kurvennews am 06.08.2018

6 Kommentare

  1. Super Artikel, auf beiden Seiten neutral geblieben! Die Reichsflagge ist jedoch nicht verboten, da hier nur die Flagge des Kaiserreiches gezeigt wurde und kein verbotenes Symbol darauf zu erkennen war. Aber immer weiter, eure Artikel sind immer Top!

  2. Beide Seiten beleuchtet, neutral geblieben aber trotzdem kritisch. Ihr erlebt zurzeit viel Kritik von Faulen Leuten die alles auf Instagram lesen wollen. Euer Schritt war richtig, macht weiter so! Wegen solchen Artikeln lese ich euch gerne!

    Musste mal gesagt werden.

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