Hertha-Geschäftsführer Preetz fand Stimmungsboykott »an sich eine schöne Kulisse«

Als Konsequenz aus den Ausschreitungen in Dortmund am letzten Wochenende, als die Polizei versuchte ein Banner der Herthaner Ultràszene zu beschlagnahmen, hinter dem sich für weiteres Zünden von Pyrotechnik hätte vermummt werden könnte, kommunizierte der Bundesligist vor wenigen Tagen, dass man sämtliche Fanmaterialien verbieten wird. Genauer gesagt umfasst dieses radikale Verbot sämtliche Doppelhalter, Fahnen, Spruchbänder und Doppelhalter, die bis auf Weiteres für Heim- und Gästefans im Olympiastadion verboten seien. Lediglich Zaunfahnen würden noch geduldet.

Die »Ostkurve Hertha BSC« teilte in Anbetracht der umstrittenen Verbote seitens des eigenen Vereins mit, dass man aufgrund dieser auferlegten Maßnahmen an einem Punkt angelangt sei, an dem nicht einfach mehr für Stimmung gesorgt und dabei ein Protest zum Ausdruck gebracht werden könne. Aus diesem Grund teilten die Ultràgruppen über die »Ostkurve Hertha BSC« mit, dass man zum Spiel am Samstagabend gegen RB Leipzig keine Stimmung organisieren werde und begründet diesen Schritt einerseits durch die Verbote selbst, andererseits aber auch über einen nicht stattgefundenen Dialog mit der Geschäftsführung, die ihrerseits der bereits öfter in Kritik geratenen Polizei Dortmund blind vertraute. Darüber hinaus wurden mit Heim- und Gästefans durchweg alle Stadionbesucher bestraft, wovon selbst der DFB mittlerweile abgekommen wäre, so die »Ostkurve Hertha BSC« in der eigenen Stellungnahme weiter.

Aufgrund des gestrigen Stimmungsboykotts gestaltete sich die Stimmung im Berliner Olympiastadion sehr mau. Zwar bemühten sich einige Hertha-Fans um Stimmung im mit 50.382 Zuschauern gefüllten Rund – von den aktiven Fangruppen wurde diese jedoch wie angekündigt nicht organisiert. Stattdessen war diese ohne jegliche Fanmaterialien im Stadion und auch auf die noch einzig erlaubten Zaunfahnen wurde verzichtet. Dieses triste Bild schien Michael Preetz, Geschäftsführer des Hertha Berliner Sport-Clubs, offenbar nicht viel auszumachen. Gegenüber Medienvertretern äußerte sich der frühere Fußballer unter anderem mit den Worten: »An sich eine schöne Kulisse, aber relativ wenig Supprt«. Dem fügte er an: »Ja, wir brauchen die Fans und ihre Unterstützung, aber nein, wir werden uns nicht alles gefallen lassen« und begründete das Verbot damit, dass man für die Sicherheit aller Zuschauer verantwortlich sei und man gesehen habe, für was Stangen und Banner in der letzten Woche eingesetzt werden würden. Eine Aussage, die hätte pauschaler nicht ausfallen können und die jegliche differenzierte Betrachtungsweise der Vorfälle in Dortmund (Beitrag mit Videos hier) vermissen lässt. Eher weniger gefallen haben dürfte die triste Kulisse den Profis von Hertha BSC, die sang- und klanglos mit 0:3 gegen RB Leipzig untergingen, deren Fans im Übrigen einzelne Banner mit in das Olympiastadion brachten.

Foto: Kathie Mishner, Groundhopping Schweiz | Kurvennews am 04.11.2018

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