Hallescher FC mit Protest & Widestand gegen Oberbürgermeister

In den vergangenen Tagen sind in Halle an der Saale zahlreiche Aufkleber aufgetaucht, auf denen Oberbürgermeister Bernd Wiegand in einem Fadenkreuz abgebildet ist und die mit einem »Wiegand raus!« Schriftzug versehen wurden. Außerdem wurde am obersten Stockwerk eines am zentralen Marktplatz gelegenen Geschäftsgebäudes ein Banner mit der Aufschrift »Hinterlist und Intrigantentum sind des Wiegands größter Ruhm« befestigt.

Eine direkte Verbindung zum Halleschen FC wird bei dem politischen Aufstand gegen das Stadtoberhaupt erst deutlich, wenn man sich kürzliche Äußerungen Wiegands zu Gemüte führt. Dieser gab zu Verstehen, dass die Stadt dem Halleschen Fußballclub keine Sponsorengelder mehr von städtischen Unternehmen überweisen wird, wenn Michael Schädlich – Präsident des HFC – weiterhin im Amt bleibt. Dieser hat den Vorsitz beim Drittligisten seit 16 Jahren inne und führte Chemie Halle seitdem konstant und unterstützte diesen auch finanziell. Neben seinem sportlichen und wirtschaftlichen Engagement wird dem im Vogtland geborenen Präsidenten Schädlich jedoch auch vorgeworfen, Zuträger der DDR-Staatssicherheit gewesen zu sein. Schädlich räumte dies ein und gab offen zu, als Inoffizieller Mitarbeiter für die Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik tätig gewesen zu sein und den Überwachungsstaat somit durch das Weitertragen von Informationen tatkräftig unterstützt zu haben.

 Für einige Hallenser sind dies jedoch Dinge der Vergangenheit, weshalb der HFC-Präsident einige Unterstützer auf seiner Seite hat. Zwar stößt die frühere Tätigkeit als IM-Zuträger der Staatssicherheit, der insgesamt rund 180.000 weitere Personen angehörten, auf keine sonderlich großen Sympathien – viele wissen Schädlichs vernünftige Arbeit beim Halleschen FC in den vergangenen 16 Jahren jedoch trotz dessen zu schätzen. Hinzu kommt das Vorgehen des parteilosen Oberbürgermeisters Wiegand, dem während seiner Amtszeit bereits mehrmals Untreue im Amt vorgeworfen wurde und der selbst aus Braunschweig und damit ursprünglich nicht aus Ostdeutschland kommt.

Beim Heimspiel am Samstag gegen den Karlsruher SC setzte sich der Protest gegen Bernd Wiegand fort und diesmal bekannte sich die HFC-Fanszene mit großen Unmutsäußerungen zu ihrer Ablehnung gegenüber dem Oberbürgermeister. »Wir alle sind der Hallesche Fußballclub e.V.! Wiegend raus!« hieß es auf einem großen Banner vor der HFC-Fankurve im Kurt-Wabbel-Stadion, in der zudem Spruchbänder wie »Der e.V. bleibt – Wiegand nicht!« zu lesen waren. Die Haltung der aktiven HFC-Fans ist damit unmissverständlich, die in erster Linie kritisieren, dass Wiegand eigenmächtig und ohne Hinzuziehen der Vereinsmitglieder versucht rechtlich äußerst grenzwertige Entscheidungen zu treffen. Vor allem die Drohung einen Teil des Geldhahns zuzudrehen dürfte das Fass letztlich zum Überlaufen gebracht haben, weshalb sich sogar der Stadionsprecher des Halleschen FC dazu genötigt fühlte, vor Anpfiff der Partie klare Worte loszuwerden. Michael Schädlich trat am gestrigen Sonntagabend übrigens zurück und äußerte sich nur kurz und knapp zu dieser Entscheidung: »Vor dem Hintergrund der aktuellen Rahmenbedingungen beim Halleschen Fußballclub e.V. (HFC) sowie angesichts der medialen Berichterstattung in Bezug auf meine Person, erkläre ich mit sofortiger Wirkung meinen Rücktritt als Präsident des HFC e.V.« Außerdem bedankte sich der ehemalige Präsident, zugleich aber auch frühere Stasi-Zuträger mit den Worten »Ich bedanke mich bei der Vielzahl von Partnern des Vereins für die mehr als 16-jährige vertrauensvolle Zusammenarbeit und wünsche unserem HFC weiterhin sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg.«

Fotos: Andreas Feineis, Kurvennews | Kurvennews am 17.12.2018


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