Große Abschiedschoreografie im gesamten Stadion am Böllenfalltor

Im Jahre 1921 noch als recht modernes Stadion fertiggestellt, diente das Stadion am Böllenfalltor in Darmstadt in den vergangenen Jahren mehr als ein Synonym für pure Nostalgie. Ein Ort, an dem die Zeit stehen geblieben ist und der Fußball noch bei einem kulinarischen Angebot über Bier, Pommes und Bratwurst von mit Moos bedeckten, weitläufigen Stehtraversen verfolgt werden konnte. Mit der Zeit musste sich der SV Darmstadt 98 allerdings auch etwas anpassen und errichtete auf der Nord- und Südseite eine überdachte Stahlrohrtribüne um ersten Druck von Seiten der DFL abzulassen.

Dieser scheint ein solch altehrwürdiges Rund im Gegensatz zu tausenden Fußballbegeisterten weniger zu gefallen und pocht eher auf viele Sitzplätze, genügend Logen und das alles am besten verpackt in einer vollständig überdachten 0815-Arena, wie sie mittlerweile an vielen Standorten in ganz Deutschland steht. Auch für das geschichtsträchtige »Bölle« hat die Stunde geschlagen und die Lilien sind mehr oder weniger dazu gezwungen, umfassende Änderungen vorzunehmen, wenngleich nach eigener Aussage der Spagat aus Tradition und Realismus geschafft werden soll. Insbesondere die alte Gegengerade und die Haupttribüne sollen im Zuge einer Schritt für Schritt geplanten Umbaumaßnahme neu errichtet werden, wodurch aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr viel vom besonderen Charme übrig bleiben wird.

Am vergangenen Sonntag verabschiedeten sich die Ultras des SV Darmstadt 98 deshalb also von ihrem Stadion in der jetzigen Form und organisierten eine Choreografie, die sich über alle vier Tribünen erstreckte. Auf der Süd-, Haupt- und Nordtribüne wurden dafür blaue und weiße Pappen ausgelegt, die den Rahmen einer Chaos-Einlage auf der Gegengeraden bilden sollten. Auf dieser wurde eine Zeichnung unter dem Motto »Stadion am Böllenfalltor – die Heimat der Lilien seit 1921« präsentiert, die gemeinsam mit Lulatsch-Luftballons und blau-weißen Fahnen hinter einem »Ob Regen, Schnee oder Sonnenschein – so wie du muss Fussball sein!« zu sehen war.

Die Gastmannschaft, der FC Erzgebirge Aue, wurde am vergangenen Sonntag von 1.800 Fans unterstützt, die überwiegend im Trikot nach Südhessen reisten. Parallel zu einer Info, dass es Wismut Aue-Fischerhüte am Gästeblock zu kaufen gibt, veröffentlichten die Ultras von »Fialova Sbor« noch ein paar Zeilen vor dem wichtigen Abstiegsduell in Darmstadt. In diesen werden unter anderem arrogante Spieler bzw. die ganze Mannschaft kritisiert, die es in den vergangenen Wochen offenbar nicht für nötig hielt, sich nach Spielende für die Unterstützung von den Rängen zu bedanken. Ebenso wurde in der Mitteilung seitens der aktiven Wismut-Fans betont, dass die Anhänger des Vereins den Verein ausmachen und dieser mitsamt seiner Tradition und seiner Leidenschaft immens wichtig für die gesamte Region sei.

Beim Auswärtsspiel in Darmstadt agierten die Profis des FC Erzgebirge Aue dann wesentlich aufopferungsvoller, wurden am Ende jedoch anhand mehrerer Spielszenen um einen Sieg betrogen. Stattdessen gewannen die Lilien ihr Heimspiel vor 16.950 Zuschauern mit 1:0 und machten damit, wenn auch beeinflusst durch eine katastrophale Schiedsrichter-Leistung, den Klassenerhalt perfekt. Vor Beginn der Partie läuteten die Gästefans das Spiel noch mit einer Fahnenchoreo und einem Doppelhalter ein, zu dem passend zu den Fischerhüten ein Banner mit der Aufschrift »Heute angeln wir uns den Klassenerhalt« gezeigt wurde.

Fotos: usualsuspects2006.de, fialova-sbor.de | Kurvennews am 19.05.2018

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