Fanszene Ingolstadt wünscht sich Charakter, Dialog & Bodenständigkeit

Durch das knapp verlorene Relegationsrückspiel gegen den SV Wehen (Beitrag zum Kurvengeschehen in beiden Spiele hier) war der Abstieg des FC Ingolstadt besiegelt. Nach neun Jahren in der 2. und sogar 1. Bundesliga müssen sich die Schanzer nun wieder mit der dritten Liga anfreunden, was umfangreiche Veränderungen für den FC Ingolstadt zur Folge hat. So muss der Etat massiv gekürzt werden, was sich in der Kaderzusammenstellung deutlich zeigen wird. Hinzu kommt die Streichung von Arbeitsplätzen bei der Fußball GmbH, in der aktuell rund 140 Stellen besetzt sind. Darüber hinaus muss die U21 des FC Ingolstadt aus der Regionalliga Bayern in die fünftklassige Bayernliga Süd absteigen, da stets mindestens eine Spielklasse zwischen erster und zweiter Mannschaft liegen muss.

Die Talfahrt, die nun ihren Tribut zollt, ging auch an den aktiven Fanruppen nicht spurlos vorbei. So veröffentlichten die »Supporters Ingolstadt« und die »Black Red Company« gemeinsam mit der »Vorstadt Crew«, »Bande 8070«, »XII. Legion«, »IN Kognito«, »Torkelschanzer« und den »Schanzer Stoabeisser Lenting« eine gemeinsame Stellungnahme zur aktuellen Lage und Zukunft des FCI (hier komplett lesen), in der man die eigene Sichtweise zur gesamten Entwicklung darlegt. So zeigen sich die aktiven Gruppen als »fassungslos« über die vergangene Saison, die »absolut folgerichtig und verdient« in einem Abstieg endete. In den vergangenen Monaten machte man sich viele Gedanken und Sorgen um den FC Ingolstadt, der sich in den Augen der Fans von einstigen Werten wie »Bodenständigkeit«, »Wertschätzung« sowie »Nähe zwischen Mannschaft, Vereinsoffiziellen und Fans« entfernt und stattdessen eher in einen »blinden Aktionismus und krampfhaftes Erfolgsstreben« verfallen ist.

Nachdem man bereits im April auf die Entwicklungen aufmerksam machte, nutzt die Fanszene nun das besiegelte Schicksal um nüchtern und sachlich mit dem eigenen Verein ins Gericht zu gehen. Dabei offenbarte man Wünsche, durch die man die Verbindung zwischen Verein und dessen wieder Anhängern verbessern möchte. So fordert bzw. wünscht man sich vielmehr eine »Schanzer Identität statt falscher Vorbilder«, was auf einer realistischen Selbsteinschätzung beruhen soll, bei der die Vereinsarbeit auf Größe, Herkunft und finanzieller Möglichkeiten basiert. Gleichzeitig sei es Zeit für eine »nachhaltige und kompetent geleitete Entwicklung statt kurzfristigem Denken«, mit der wieder mit Weitblick, Beständigkeit und realistischen sowie lang angelegten Zielen agiert. Außerdem wünschen sich die aktiven Fangruppen des FC Ingolstadt wieder eine »glaubhaft gelebte Augenhöhe statt abgehobener Distanz«. In diesem Atemzug beschreibt die Fanszene eine »Schanzer Familie«, in der man sich »kennt, respektiert und zusammenhält – von Jugendspielern und -trainern, Geschäftsstellenmitarbeitern, Fangruppen und Dauerkarteninhabern bis hin zu Lizenzspielern, Geschäftsführung, Vorstand und Aufsichtsrat«. Dies soll sich explizit auch auf die Profimannschaft abfärben, zu der das Verhältnis in der abgelaufenen Saison bei weitem nicht optimal war.

Abschließend nimmt sich auch die Ingolstädter Fanszene selbst in die Pflicht und räumt ein, sich »zu oft an unterschiedlichen Strängen gezogen und uns von anderen Fanclubs oder unorganisierten Fans abgekapselt [zu] haben«. »Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um wieder stärker aufeinander und alle Schanzer Fans zuzugehen und den Trend der letzten stimmungsvollen Spiele fortzuführen. Jeder soll die Möglichkeit haben, seine Fähigkeiten und Ideen in unserer Gemeinschaft einzubringen. Nur so können wir auch in der Zukunft bestehen und unseren Beitrag zu einem FC Ingolstadt leisten, auf den wir alle stolz sein können.«

 

 

Fotos: Black Red Company | Kurvennews am 06.06.2019


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