Erinnerungschoreo an Stendal Randale & Hansa-Gruppen verließen Südtribüne

Mit einer äußerst kurzfristigen Spielabsage unmittelbar vor dem Auswärtsspiel bei Eintracht Braunschweig entlud sich am 5. Februar 2006 einiges an Frust bei zahlreichen Fans von Hansa Rostock, die sich bereits auf dem Weg zum Gastspiel ihrer Kogge befanden. Frust entlud sich insbesondere bei jenen 450 Anhängern, die mit dem Zug nach Braunschweig reisen wollten und der Ausflug aufgrund der Spielabsage in Stendal endete. Eigentlich hatten die Hansafans lediglich geplant am Bahnhof der sachsen-anhaltischen Stadt umzusteigen – als die Schlachtenbummler sich jedoch mehreren Polizei-Hundertschaften gegenüberstehen sahen, wurde kurzerhand der Bahnhof und auch mehrere Einsatzfahrzeuge auseinander genommen. In den Medien wurden die Ausschreitungen schnell breitgetreten und diverse Zeitungen sprachen von einem der schlimmsten »Hooligan-Vorfälle«, die es jemals in Deutschland gegeben hatte.

Die »Suptras Rostock« nahmen das gestrige Heimspiel ihres FCH gegen die SpVgg Unterhaching zum Anlass um an die Randale in Stendal vor 13 Jahren zu erinnern. »13 Jahre Stendal Randale« hieß es dazu auf einem großen Banner vor der Südtribüne, auf dem das Kürzel der führenden Rostocker Ultràgruppe farblich in Blau hervorgehoben wurde und brennende Polizeiautos am rechten Rand des Banners abgebildet wurden. Dazu wurde etwas schwarzer Rauch gezündet, der symbolisch für die damaligen Rauchschwaden gestanden haben dürfte, während die gesamte Süd im Hintergrund mit schwarzen Pappen ausgestattet wurde, aus denen ein weißes »ACAB« hervor stach.

Doch nicht nur die Erinnerungschoreo an die Randale in Stendal galt bei der gestrigen Drittliga-Begegnung als brisante Einlage rund um das Spiel. Auch das Verlassen der Südtribüne mehrerer Hansa-Gruppen prägte den gestrigen Spieltag in Rostock. So zog es die regional organisierten Gruppen »Vorpommern Mob«, »Anklam«, »Grimmen«, »Malchin« und »Rotte« von der Südtribüne in Block 9 des Nordost-Ecks des Ostseestadions. Grund hierfür sollen vor allem unterschiedliche Auffassungen vom Support sowie politische Standpunkte sein. Darüber hinaus soll besagten Gruppen auch der bisherige Umgang mit weiblichen Fußballfans sowie sogenannten Hipstern auf der Süd gegen den Strich gegangen sein, weshalb man sich aus dem aktuellen Stimmungszentrum des Ostseestadions verabschiedete.

Im Eck der Nordtribüne fiel der »Vorpommern Mob« dann unter anderem mit einem Spruchand mit der Aufschrift »Vorpommern wünscht allen Angeklagten im Dresdenprozess viel Kraft und Gerechtigkeit« auf. Hintergrund des Transparents ist laut einer Ultraseite im Netz, die über »schöne« und »peinliche« Aktionen urteilt, offenbar ein laufendes Strafverfahren gegen eine rechtsterroristische Vereinigung, mit denen sich die Hansafans aus Vorpommern solidarisiert hätten. Für diese These spricht die interessante Gestaltung der einzelnen Letter. So sind alle Worte bis auf die »T«s durchweg in Großbuchstaben auf die Tapete gepinselt worden. Jene »T«s weisen starke Ähnlichkeiten zur Tyr-Rune auf – einem Symbol, welches im Nordischen seinen Ursprung hat und zu Zeiten des Dritten Reichs als Erkennungszeichen und Abzeichen der Nationalsozialisten verwendet wurde und aus diesem Grund verboten ist. Aus anderer Richtung heißt es, dass sich der »Vorpommern Mob« mit dem Spruchband auf Strafprozesse im Nachgang der Ausschreitungen beim Hansa-Gastspiel in Dresden 2016 bezog. Damals hatten einige motivierte Hansafans Räumlichkeiten des Fanprojekts Dresden für Dynamofans angegriffen, vor dem es zur Schlägerei mit den Einheimischen kam. Die Polizei nahm damals 69 beteiligte Hansa-Fans für die Dauer des Spiels in Gewahrsam. Später sprach die Gruppe über eine weitere ausgerollte Tapete außerdem noch einem »F. Aus F.« Mut zu.

Ebenso auf der Nord sollen sich auch Hooligans der »Nordischen Wut« tummeln. Die sportliche Gruppe des FC Hansa Rostock geriet insbesondere durch eine bekannte russische Dokumentation über die eigene Gruppe in den Fokus, was auch der Staatsanwaltschaft Rostock nicht verborgen blieb. Diese leitete daraufhin Ermittlungen gegen drei mutmaßliche Mitglieder wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung ein, die mangels Tatverdacht jedoch kürzlich eingestellt wurden. Die »Nordische Wut« wird dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet und es machten in den vergangenen Jahren Äußerungen die Runde, die Hools der »NW« hätten sich wegen der zu linkstoleranten Haltung der Ultràgruppen aus der aktiven Fanszene gelöst.

Fußball wurde im Ostseestadion auch noch gespielt. Hansa Rostock gewann gegen die SpVgg Unterhaching mit 2:0. Verfolgt wurde die Drittliga-Partie zwischen der Kogge und dem Münchner Vorortklub von 10.100 Zuschauern, unter denen 25 Fans im Gästesektor auszumachen waren.

Fotos: Rumtreiber Ost | Kurvennews am 10.02.2019


3 Kommentare

    • Es ist doch auch nicht die rede vom fanprojekt selbst sondern von räumlichkeiten davon. Es handelte sich damals um das fanhaus und das ist meines wissens unter der schirmherrschaft des fp von dynamo 😉

  1. Das Spruchband gilt für die Vorfälle damals gegen Dresden in Dresden, Strafprozess wurde dieses Jahr in die Wege geleitet , nichts mit irgendwelchen rechtsorientierten Gruppen…

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