[Magazin] Ehemalige Spieler gründen Traditionsverein VfR Heilbronn neu

Lang, lang ist’s her, als der VfR Heilbronn für einige Jahre in der damals noch drittklassigen Regionalliga, in der Oberliga und sogar für acht Spielzeiten in der zweiten Liga vertreten war. Für Jahrzehnte galt der Verein für Rasenspiele als feste Größe im Unterland und als nahmhafter Verein in ganz Württemberg. Für große Schlagzeilen sorgte der Verein unter anderem im Jahre 1996, als die A-Jugend des VfR Heilbronn den DFB-Pokal der Junioren gewann. Spätestens durch die Fusion mit der Heilbronner Spielvereinigung zum FC Heilbronn im Jahre 2003 ging es jedoch rapide bergab. Bereits nach einem Jahr musste der neue Zusammenschluss erneut die Insolvenz beantragen, da der VfR bzw. dessen Nachfolgeverein diverse Altlasten mit sich herumschleppte.

2012 folgte dann der für viele Heilbronner wohl unrühmlichste Part der jüngsten Nachfolge-Geschichte. Der FC Heilbronn fusionierte mit dem früheren großen Rivalen von der anderen Neckarseite, dem FV Union Böckingen zum FC Union Heilbronn und erhoffte sich durch die Bündelung der beiden für fast ein Jahrhundert lang verfeindeten Klubs den großen fußballerischen Schub in der Käthchenstadt. Heilbronn – zu diesem Zeitpunkt vom Eishockeyverein Heilbronner Falken und den nahe gelegenen Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart und TSG Hoffenheim vereinnahmt, sehnte sich nicht unbedingt nach einer weiteren sportlichen Größe und so ging es für die neue Union bis in die Kreisliga.

Mittlerweile findet sich der FC Union Heilbronn in der Kreisliga A3 Unterland ein und konnte die vergangene Saison immerhin auf dem ersten Tabellenplatz abschließen. Über das ramponierte Image durch jahrelange Pleiten und Misserfolge konnte die Spitzenposition in der Liga jedoch nicht hinwegtäuschen. Bei den Fußballbegeisterten der 123.000-Einwohner-Stadt hat die Union durch die sportliche Talfahrt und fehlende Identifikation viel Kredit verspielt. So wandten sich viele der einstigen treuen Seelen des VfR Heilbronn bzw. des FV Union Böckingen mit der Fusion – spätestens jedoch mit der weiteren sportlichen Talfahrt – gänzlich von ihren Klubs bzw. dem neuen Konstrukt ab. Für viele hieß es daraufhin wieder Neckarstadion in Stuttgart oder Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim, anstelle der heimischen Spielstätten Frankenstadion oder Stadion am See.

Hoffnung kommt im württembergischen Heilbronn nun mit einer bereits offiziellen Neugründung des früheren Traditionsvereins VfR Heilbronn 1896 auf. So möchten mehrere Spieler und frühere Akteure den Klub wieder aufleben lassen und werden zur kommenden Saison einen kompletten Neustart als VfR Heilbronn 96-18 e.V. in der Kreisliga B2 Unterland wagen. Seine Heimspiele wird der VfR Heilbronn 96-18 im Frankenstadion – dem mit 17.284 Plätzen größten Stadion der Stadt – austragen. Ganz so viele Zuschauer werden die Spiele des neugegründeten Vereins für Rasenspiele wohl nicht besuchen – großen Zusammenhalt und eine breite Unterstützung scheint der Klub dennoch zu genießen. So machten sich einstige Spieler und Wegbegleiter der Schwarz-Weißen für die Neugründung stark und bereits Wochen vor der Premieren-Saison ist eine große Vorfreude im Umfeld des VfR 96-18 e.V. zu spüren.

Ein festes Saisonziel geben die Verantwortlichen nicht bekannt und betrachten die ersten Monate als Findungsphase für den gesamten Verein. Nichtsdestotrotz soll es peu à peu nach oben gehen, wenngleich das neue Gebilde auf gesunden Füßen und mit einem wirtschaftlichen Realismus angegangen werden soll. Ganz gleich wie sich der VfR Heilbronn 96-18 in seiner ersten Saison schlagen wird, gilt es vor dem großen Schritt, einen alten Traditionsverein neuzugründen, den Hut zu ziehen. Zwar wird man vorerst nicht mit den großen Vereinen und Fanszenen im Südwesten der Republik mithalten können – den Grundstein hierfür konnte man mit dem Aufleben lassen eines Traditionsvereins nach einem 15 Jahre andauernden Dornröschenschlaf aber immerhin schon einmal legen. Das erste Spiel bestreitet der VfR Heilbronn 96-18 e.V. im Rahmen seiner Saisonvorbereitung beim SV Tüngental am Samstag, den 14. Juli 2018 und damit an jenem Tag, an dem die A-Junioren des VfR Heilbronn vor 22 Jahren den DFB-Pokal der Junioren gewinnen konnten.

Foto: Kurvennews, VfR Heilbronn 96-18 e.V. | Kurvennews am 26.06.2018

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