Chemnitzer Ultras erhalten Drohungen nach Materialverlust

Dass in Chemnitz aktuell die gesamte Szene Kopf steht, dürfte aufgrund den kürzlichen Ereignissen mitsamt Materialverlust am Freitagabend kaum verwundern. Die betroffenen Gruppen »Ultra’ Bande Karl-Marx-Stadt« und »Contra Cultura Chemnitz« lösten sich im Zuge der Verluste dreier Zaunfahnen am Samstagabend auf. Dafür verloren die Ultràgruppen nur wenige Worte und bezogen sich auf Treue, Werte und sich einzugestehende Niederlagen.

Für einige normale Fans des Chemnitzer FC und Außenstehende ist dieser durchaus konsequente Schritt kaum nachzuvollziehen. Es wird von »versuchtem Mord« gesprochen, wenn »der Reifendruck absichtlich gesenkt« wurde. Aus diesem Grund sei der Angriff auf die CFC-Ultras nach dem Auswärtsspiel in Wiesbaden »nicht fair abgelaufen«, weshalb diverse Beobachter keine Beweggründe für die Gruppen sehen, sich trotz verlorener Auswärtszaunfahnen aufzulösen.

Dennoch lösten sich »Contra Cultura« und die »Ultra’ Bande« auf, was womöglich auch aufgrund gewissem Nachdruck aus der eigenen Hooliganszene geschehen ist. So erreichte uns ein Schreiben aus dem Lager der Sportlichen Fraktion des Drittligisten, dass an die Ultràszene des CFC gerichtet war. In diesem werden umfassende Veränderungen gefordert, die mit einem ausreichenden Trainingsraum für die Fanszene beginnen sollen. Darin soll zukünftig mindestens dreimal die Woche trainiert werden, damit sich auch die Ultras sportlich fit machen können.

Darüber hinaus soll von der Einzelperson aus dem Spektrum der Chemnitzer Hooligans die Auflösung der beiden abgezogenen Gruppen gefordert worden sein, die wie bereits erwähnt am Samstag von den Gruppen selbst mitgeteilt wurde. Für den Boxraum sollen die »Ultra’ Bande«, »Contra Cultura«, aber auch die »Kamenzia Sons« und »Ultras Chemnitz« maximal einen Monat Zeit haben. Ansonsten wird gedroht, dass sich die Machtverhältnisse an der Gellertstraße wieder grundlegend ändern und sich der gemeinsame Weg von Ultras und Hools trennen würde.

Auf sportlicher Ebene fielen rund um den Chemnitzer FC in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten bevorzugt die Gruppen »HooNaRa« und die »NS-Boys« auf. Die »Hooligans Nazis Rassisten« verstanden sich als klare Ackertruppe, politisch klar rechts eingestellt und verschwanden mit den Jahren immer mehr von der Bildfläche. Die deutlich jüngere »New Society« agierte dagegen etwas unauffälliger, ist nach wie vor regelmäßig, wenn auch dezimiert, im Stadion zugegen und ebenfalls erlebnisorientiert. Die abgekürzt genannten »NS-Boys« entspringen ursprünglich dem Nachwuchs der »Ultras Chemnitz 99«, welche die Gruppe aufgrund zunehmender rechter Gesinnung auflöste. Kurz darauf gründete sich die Gruppe allerdings neu und verwendet einen Jungen aus der Hitlerjugend von einem Propagandaplakat aus dem Jahre 1933 als Gruppenlogo.

Trotz dem aktuellen Dasein in der dritten Liga galt die Hooliganszene des Chemnitzer FC bzw. des FC Karl-Marx-Stadt als eine der standhaftesten in Deutschland und konnte sich des öfteren über die Landesgrenzen hinaus erfolgreich behaupten. Man darf deshalb gespannt sein, wie sich die Fanszene der Himmelblauen entwickeln wird, welch großen Einfluss der schwere Schlag für die Ultràszene auf die Stimmung auf der Fischerwiese nimmt und ob es tatsächlich zu einer deutlichen Machtverschiebung in Chemnitz kommen wird.

Symbolfotos: New Society, Kaotic Chemnitz | Kurvennews am 17. September 2017

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