Caillera Bremen mit Seitenhieb gegen Freiburger Natural Born Ultras

Am vergangenen Samstagnachmittag empfing der SV Werder Bremen den SC Freiburg im Weserstadion, dessen Fans zwei Wochen zuvor noch eine Choreografie gegen Sexismus im Fußball in deren heimischen Dreisamstadion präsentierten. Im Rahmen der »fan.tastic females – football her.story«-Ausstellung entschieden sich unter anderem die Ultras von »Corrillo« und die »Supporters Crew Freiburg« zu einer optischen Aktion beim Heimspiel gegen Bayern München, die unter dem Motto »Und das soll unser Fußball sein? Nein, setzt euch gegen Sexismus ein!« aus zwei gemalten weiblichen Portraits sowie einem »love football – hate sexism« Banner bestand. Hinzu kamen typische Klischees und Sätze wie »na, was ist Abseits?« oder »Fotzen aus der Kurve« auf Tapeten, die weiblichen Fußballfans je nach Standort gerne häufiger oder weniger häufig gedrückt werden. Weit über die Grenzen der Bundesrepublik Deutschland hinaus fand diese Aktion großen Anklang und rückte die aktiven Fans des SC Freiburg in ein gutes, weltoffenes und tolerantes Licht.

Aktion gegen Sexismus auf Freiburger Nordtribüne Ende März 2019.

Doch nicht alle Gruppen waren offenbar davon angetan und verzichteten wie beispielsweise die »Natural Born Ultras« auf eine Beteiligung an der Choreo gegen Sexismus. Die Freiburger Ultràgruppe erklärt in einer Stellungnahme dazu, dass die Freiburger Kurve ebenso wie die eigene Gruppe ein Abbild der Gesellschaft sei, als dessen kleinster Nenner die bedingungslose Hingabe zum Sportclub Freiburg gezählt werden kann. Aus diesem Grund sollten Choreografien »daher aus gegenseitigem Respekt ausschließlich der Unterstützung der eigenen Mannschaft, des Vereins oder der Inszenierung der eigenen Kurve dienen und abgesehen von Fußball betreffenden Fragen keinerlei politische Message enthalten.« Die NBU weiter: »Wir stehen für eine freie Kurve, in der jeder Einzelne seine eigene Meinung, Gesinnung und Einstellung haben kann, sind jedoch dagegen einer ganzen Kurve eine politische Meinung aufzudrängen. Daher wurde die Choreographie von uns akzeptiert, aber nicht unterstützt.«

Trotz den hinzugefügten Worten, dass dies ausdrücklich nicht heiße, dass man gegen Frauen beim Fußball, in der Kurve oder in der eigenen Gruppe sei, wurde die Ultràgruppe aus Freiburg beim Auswärtsspiel in Bremen mit einem barschen Spruchband aus der Ostkurve empfangen. »Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen! Ciao Natural Born Ottos! Sexismus raus aus den Stadien!« hieß es von Seiten der »Caillera Ultras« aus dem Fanlager des SV Werder Bremen, die sich damit auf eingangs thematisierte optische Aktion gegen Sexismus im Freiburger Dreisamstadion bezogen. Die Ablehnung gegenüber der aus Caillera-Sicht offenbar intoleranten Haltung der »Natural Born Ultras« kam noch einmal zum Ausdruck, nachdem die Werder-Ultras lediglich den Tapetenteil mit der Aufschrift »Ciao Natural Born Ottos!« präsentieren. Bezüglich einer Reaktion auf das Spruchband im Gästeblock hält sich die Freiburger Szene bedeckt, über die jedoch schon seit langem bekannt ist, dass es zwischen einzelnen aktiven Fangruppen aufgrund unterschiedlicher Auffassungen von Politik und Ultrà kriselt. Während die Ultras von »Corrillo« ebenso wie »Caillera Bremen« eine antifaschistische Schiene fahren, präsentierten sich die »Natural Born Ultras« bislang weitgehend unpolitisch.

Freiburg auswärts in Bremen. Die Zaunfahne der »NBU« dabei direkt neben den Initiatoren erwähnter Aktion von »Corrillo«.

Fotos: caillera.net, nordtribuene.org | Kurvennews am 16.04.2019


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