BSG Chemie-Fans mit Blockfahne & Rauchraketen – LOK-Fans feiern in eigenem Stadion

Am heutigen Samstagmittag kam es im Alfred-Kunze-Sportpark zum Derby zwischen der BSG Chemie Leipzig und dem 1.FC Lok Leipzig im Rahmen des Sachsenpokal-Viertelfinales. Gedämpft wurde die Vorfreude im Vorfeld aufgrund eines vermeintlich gemeinsamen Beschlusses durch den Vorstand und die größten Fangruppen des 1.FC Lok, die sich im Einvernehmen darauf geeinigt haben sollen, die 500 Gästekarten für das Derby nicht anzunehmen. Begründet wurde das freiwillige Fernbleiben mit erhöhten Sicherheitsauflagen, weshalb man nicht einsehe, dem pürestigeträchtigen Duell in Leutzsch einen angemessenen Rahmen zu verleihen.

Die Inhalte der Stellungnahme des Vereins wurde wiederum kurz darauf von Seiten der »Fankurve 1966« widerlegt, die ihrerseits kritisiert, dass es zwar mehrere Gespräche gegeben habe, die Entscheidung die Karten nicht anzunehmen letztlich jedoch nur vom FCL selbst getroffen wurde. In einer lesenswerten und sehr reflektierten Stellungnahme (hier in voller Länge lesen) hinterfragt die »Blue Side Lok«, die die »Fankurve 1966« überhaupt erst initiierte, wogegen man überhaupt boykottiere. So seien diverse Sicherheitsauflagen etwas lockerer als in den Jahren zuvor, was nicht zuletzt der Intervention des Fanprojekts und des Sicherheitsbeauftragten zu verdanken sei. Darüber hinaus wäre auch ein Fanmarsch erlaubt gewesen – wenn natürlich auch mit entsprechender Begleitung – und ein Bus-Shuttle hingegen mehr eine freiwillige Option, als eine verpflichtende Anreisevariante. Bezüglich der »Kartenproblematik« äußern sich die Ultras aus der »Fankurve 1966« ebenfalls und relativieren die ungehaltene Stimmung über die erhaltene Anzahl an Derbykarten: »500 Tickets und somit 250 weniger als in den vergangenen beiden Derbys standen den Fans des 1. FC Lok dieses Mal zur Verfügung. Sicherlich ist eine solche Reduzierung des Kartenkontingents alles andere als zufriedenstellend, dennoch entspricht dies immer noch einer Gesamtquote von 10%. Diese besitzt im Sachsenpokal zwar keinerlei verbindliche Gültigkeit, kann aber dennoch als legitimer Maßstab betrachtet werden. Man erhält somit die im Ligabetrieb übliche Mindestzahl an Tickets – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.«

Die »Fanszene Lokomotive Leipzig« teilte die Stellungnahme der »Blue Side Lok«, rief gestern hingegen dazu auf, dass alle Lok-Fans ins Bruno-Plache-Stadion kommen sollten, in dem der 1.FC Lok Leipzig ein Derby-Public-Viewing organisierte. »lasst uns Entscheidungen, Stellungnahmen und alle anderen Meinungen hinten anstellen. Es ist Derbyzeit und jedem sollte klar sein, dass dies das Spiel aller Spiele ist. Morgen werden die Blau-Gelben Farben unserer Stadt die Straßen bestimmen.« hieß es dazu trotz vorherigem Teilen der Stellungnahme und es wurde gleichwohl dazu aufgerufen sich gemeinsam mit Freunden in den Vierteln, vor der Platte oder der Einfamilienhaussiedlung zu treffen, um dann gemeinsam nach Probstheida zu fahren und die Mannschaft am Stadion gebührend zu verabschieden.

Dem wurde am heutigen Morgen dann auch nachgekommen, ehe die überwiegende Mehrheit im Bruno-Plache-Stadion blieb und auf einer großen Leinwand das im Alfred-Kunze-Sportpark in Leipzig-Leutzsch ausgetragene Derby verfolgte. Der »Sportbuzzer« zitiert dazu »Gegen 10 Uhr wurde das Regionalliga-Team des 1. FC Lok Leipzig von rund 200 Anhängern Richtung Alfred-Kunze-Sportpark verabschiedet, in mehreren schwarzen Minibussen wurden die Spieler gefahren. Sobald sie weg sind, hört man aus der Ultragruppe: „Und jetzt ab nach Leutzsch.“ Ob sie auch wirklich hinfahren? Das Stadion hatte die Gruppe von ca. 40 Männern schnell wieder verlassen.« Ob dem wirklich so war, dürfte durchaus in Frage gestellt werden. Während des Fußballguckens im Bruno-Plache-Stadions wurde die ein oder andere kleine blaue und gelbe Rauchbombe gezündet.

Im Alfred-Kunze-Sportpark präsentierten die Ultras der BSG Chemie Leipzig indes eine große Choreografie zum Einlaufen beider Mannschaften. So wurde der gesamte Norddamm mit einer großen grün-weiß gestreiften Blockfahne überzogen aus der Raketen mit grünem Rauch abgeschossen wurden. Diese stiegen über der Kurve der Chemie-Fans Empor, wodurch sich in einigen Metern Höhe grüne Rauchschwaden entwickelten. Dazu wurden am Boden weiße Rauchtöpfe gezündet, so dass sich ein gelungenes Gesamtbild mitsamt Blockfahne und grünem sowie weißen Rauch ergab.

Auf der Gegenseite prangte hingegen nur ein »Dieser Gästeblock wird Ihnen präsentiert von: Fussball pur.« Banner im leeren Gästeblock, auf den sich die Ultras der BSG Chemie mit einem »Echte Lokfans fahren selten auswärts« Spruchband bezogen. Hinsichtlich des Public Viewings im Bruno-Plache-Stadiion folgte auf dem Norddamm ein Transparent mit der Aufschrift »500 im Plache – da hättet ihr auch kommen können!« In diesem feierten die Fans des 1.FC Lokomotive Leipzig aus der Ferne zeitgleich den Derbysieg ihrer Mannschaft, der durch einen Treffer in der 76. Spielminute ermöglicht wurde. Dadurch zieht die Loksche ins Halbfinale des Sachsenpokals ein, in dem man auf den Chemnitzer FC treffen wird. Gefeiert wurde der Derbysieg, dem man selbst fernblieb bzw. fernbleiben musste und dem 4.500 Besucher im Alfred-Kunze-Sportpark beiwohnten, mit einem feurigen Empfang der Mannschaft im heimischen Stadion. In akustischer Begleitung von »Chemieschweine«-Gesängen – in die auch die Spieler des 1.FC Lok einstiegen – wurde einiges an Pyrotechnik gezündet und die Lok-Fans besangen ihre Derbysieger noch einige Zeit lang.

Fotos: auswaerts.daheim | Kurvennews am 15.12.2018


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