Bericht über verstärkte rechte Verstrickungen innerhalb Cottbuser Fanszene

Erneut rückt das 2017 offiziell aufgelöste, aber wohl noch in zumindest ähnlicher Zusammensetzung weiterhin aktive »Inferno Cottbus« in den Fokus der Medien. Dieses Mal nahm sich der Rundfunk Berlin-Brandenburg der Gruppe an, die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wird und die sich innerhalb der Fanszene des Drittligisten Energie Cottbus durch körperliche Gewalt Macht verschafft haben soll.

Der rbb veröffentlichte heute einen exklusiven und umfassenden Artikel über die »rechtsextremen Hooligans« um »Inferno Cottbus«, denen eine schonungslose Kontrolle innerhalb der Energie-Fanszene vorgeworfen wird. Wie aus dem Bericht hervor geht, soll sich der Machtbereich seit der offiziellen Auflösung der Gruppe deutlich verstärkt haben, was sich unter anderem durch die neue lange Zaunfahne an der Nordwand im Stadion der Freundschaft zeigen soll. So erstreckt sich mit einer »Betriebssportgemeinschaft Energie Cottbus seit 1966« Zaunfahne seit Oktober ein neues langes Banner über die gesamte Breite der Nordwand, das zugleich alle zuvor hängenden Zaunfahnen überdeckt. Laut den Recherchen des rbb und dessen herangezogenen »Experten« offenbar ein bewusster und geplanter Akt zur Demonstration der eigenen Macht.

Doch nicht nur die neue vermeintlich gruppenübergreifende Zaunfahne soll als Beweis für die verstärkten Verstrickungen der deutlich rechtsgesinnten Gruppe innerhalb der Cottbuser Fanszene dienen. So soll es untertags auch regelmäßig zu Drohungen und körperlicher Gewalt kommen, wodurch Mitglieder des vorgeblich aufgelösten »IC99« ihren Einflussbereich erweitern. Im Inneren des Stadion der Freundschaft soll diese in der vergangenen Saison durch Ordnerpersonal gewährleistet worden sein, das von einem Security-Unternehmen gestellt wurde, welches wiederum enge Kontakte zu einschlägig rechtsextremen Kampfsportlern um das »Inferno Cottbus« pflegt. Zugleich werden nicht namentlich genannte Anhänger mit Aussagen wie »Backpfeifen, Hausbesuche, offene Drohungen, damit haben die hier alle eingeschüchtert« und »Normale Fans werden im Block kontrolliert und bespitzelt, ständig laufen welche rum. Und vorm Stadion macht einer die Ansagen. Der dirigiert seine ganzen Leute im Stadion. Und wenn du was dagegen sagst, wird dir gleich wieder Kloppe angedroht.« zitiert.



Eine Unterwanderung geschehe laut den Recherchen aber nicht nur rund um das Stadion und in der Stadt, sondern auch online auf Facebook. So gilt die Seite »Fanszene Energie Cottbus« seit gut einem Jahr als Sprachrohr der aktiven Fanszene der Lausitzer, die sich in Block H der Nordwand positioniert. Eröffnet worden sein soll diese durch das »Inferno Cottbus«, nachdem das zuvor aktive Medium nurenergie.de eingestellt wurde. Die 2002 gegründete und sich zwischenzeitlich nicht grundlos zurückgezogene Ultràgruppe »Ultima Raka« ist in jene »Fanszene Energie Cottbus« offenbar nicht eingeschlossen. Etwas abseits in Block I stehend gilt »Ultima Raka« als eine tolerante Gruppe, die sich nicht zuletzt zum Selbstschutz als nur »unpolitisch« präsentiert, selbst aber zumindest überwiegend etwas gegen rechte Umtriebe haben dürfte und sich deshalb herben Anfeindungen von rechtsgesinnten Energie-Fans ausgesetzt sehen musste. Ein mittlerweile offenes Geheimnis, welches über die Landesgrenzen Brandenburgs hinaus bekannt ist und die Einstellung aller Akvititäten im Spätsommer 2017 erklärt.

Auch bezieht sich der Artikel des rbb auf gepostete Merchandise-Artikel mit verblüffend ähnlichen Motiven zu der 2017 offiziell aufgelösten Gruppe »Inferno Cottbus«, die über die Facebook-Seite vertrieben worden sein sollen. Bei jetziger Sichtung der Facebook-Fotos der »Fanszene Energie Cottbus« sind von unserer Seite jedoch keine eindeutigen Ähnlichkeiten zu erkennen. Vielmehr dürfte es sich bei dem angeprangerten »aggressiven Totenkopf« eher um das Logo des »Collettivo Bianco Rosso« handeln, zumal »IC99« einen Sensemann als Gruppensymbol verwendete. Auch die Freundschaft zu Fans des polnischen Klubs Beskid Andrychow sind als Vorwürfe hinsichtlich einer reinen IC99-betriebenen Seite relativ wage, da sich die Kontakte nach Polen auch auf Teile der Ultràszene um »CBR’02« und Nachwuchs erstreckt.

Doch auch ganz offiziell und in Verbindung mit dem Verein soll es nach wie vor Verstrickungen zu rechtsextremen Personen um das »Inferno Cottbus 1999« geben. Wie der rbb recherchierte wurden im Sommer 2017 drei Fansprecher beim FC Energie Cottbus gewählt, die ihre Aktionen und Bestrebungen auf einer eigenen Website vorstellen. Auf dieser sind jedoch ausschließlich zwei Fansprecher genannt, was auf Rückfrage im Gästebuch damit beantwortet wurde, dass man bitte Verständnis haben solle, dass man sich auf der Website nur über zwei Fansprecher äußere. Nach Informationen des rbb ist jener dritte Fansprecher eine ehemalige Führungsperson des IC99, der den Verein in der Stadionverbotsanhörungskommission berät. Hinsichtlich der Wahl des ehemaligen IC-Mitglieds zitiert der Autor einen Insider mit den Worten »An dem Abend bei der Wahl, da haben die richtig Druck gemacht und getrickst […] Unser Mann ist dabei, wenn wir das wollen. Wir machen hier die Ansagen!« was an dieser Stelle natürlich nicht verifiziert werden kann.

Stunden nach Veröffentlichung des Beitrags reagierte der FC Energie Cottbus und will in einem Treffen am 6. März 2019 mit der Polizei und dem Verfassungsschutz über rechte Fans und mögliche rechtsextreme Unterwanderungen in der eigenen Fanszene beraten. Ein Sprecher des Vereins gab gegenüber der Deutschen Presse-Agentur zu Protokoll, dass man sich bisher von Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und Rechtsextremismus stets distanziert habe. Offenbar waren diese Bemühungen nicht allzu sehr von Erfolg gekrönt, wenngleich man die Vorfälle – ohne etwas in der Sache relativieren zu wollen – auf gewisse Kreise einschränken muss und hierfür nicht die gesamte Cottbuser Ultràszene pauschal verurteilen und an den Pranger stellen darf.

Fotos: losmisenas.blogspot.com | Verweis auf: rbb24.de (Stand 30.01.2019) | Kurvennews am 30.01.2019


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