[Magazin] Paulshöhe in Schwerin droht der Abriss

Seit Monaten kämpfen Bürger und Fans des Landesligisten Dynamo Schwerin für den Erhalt der altehrwürdigen Paulshöhe. Die traditionsreiche Spielstätte wurde vor knapp 100 Jahren erbaut und ist damit die älteste in der Mecklenburgischen Stadt. Auch bei Anwohnern ist das alte Fußballstadion aufgrund seiner einzigartigen Bauweise und der Grünflächen sehr beliebt, dem nun der vollständige Abriss droht.

Die Stadtverwaltung des 99.000 Einwohner großen Schwerins stützt sich dabei auf die Umsetzung des »Fußballkonzeptes von 2010«. Damals ging die Stadt von einer anderen Bevölkerungsentwicklung und weitaus geringeren Einwohnerzahl aus. Durch die zunehmende Beliebtheit der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern soll neuer Wohnraum geschaffen werden. Bestenfalls in lukrativer Lage und mit Nähe zum bekannten Schlossgarten. Der Sportplatz Paulshöhe erfüllt beides und grenzt darüber hinaus auch noch unmittelbar an den Faulen See – einer Bestlage in Schwerin – an.

Während es zahlreiche Proteste rund um den drohenden Abriss gab und gibt, äußert die Stadtverwaltung große Bedenken über mögliche Rückzahlungen von Fördermitteln an das Land Mecklenburg-Vorpommern. Dieses finanzierte den Ausbau einer anderen Sportanlage in der Stadt, verlangte dafür aber den Abriss der Paulshöhe im Jahr 2018. Die Stadt sagte zu und eine andere Sportanlage wurde ausgebaut. Auf Sorgen und Bedenken der Bürger wurde wenig geachtet. Viel mehr wurde mit dem Beschluss der Weg für Investoren von außerhalb geebnet, die das Gelände rund um das alte Fußballstadion kaufen und mit Luxusimmobilien bepflanzen können. Zwar handelt es sich bei letzterem lediglich um eine reine Spekulation, die Stadt Schwerin betonte rund um die Debatte allerdings immer wieder, wie notwendig neuer Wohnraum sei.

Allgemein verdeutlicht der drohende Abriss der Schweriner Paulshöhe gleich zwei bedenkliche Entwicklung im Bezug auf Stadtplanung und den Umgang mit Fußballgeschichte. Zum einen ist ein klares Voranschreiten der Gentrifikation in der mecklenburgischen Landeshauptstadt erkennbar. Zum anderen sinkt die generelle Wertschätzung traditionsreicher Stadien mit Flair und Geschichte, die von modernen Arenen außerhalb der Städte ersetzt werden. Falls es tatsächlich zu einem Abriss der Paulshöhe kommen sollte, verlieren nicht nur zehn Sportvereine ihre angestammte Heimat, auch ein großes Stück Fußballgeschichte in Norddeutschland würde dem Erdboden gleichgemacht werden. Ein kleiner Trost, falls die bereits feststehenden Pläne tatsächlich umgesetzt werden, dürfte immerhin der versprochene neue Wohnraum an alter Wirkungsstätte der SG Dynamo Schwerin sein. Ob der neue Wohnraum dann allerdings auch für Menschen mit kleinerem Geldbeutel erschwinglich sein wird, sei abschließend dahingestellt.

Fotos: facebook.com/wismarunterwegs | Kurvennews am 13. Juli 2017

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