Antirassistische Fangruppe kehrt eigenem SC Fortuna Köln den Rücken

Noch vor Kurzem berichteten wir über das Drittligaspiel zwischen dem SC Fortuna Köln und dem FC Energie Cottbus, bei dem die Fangruppe »South City Rudeboyz« ein Banner gegen braune Energie am Zaun von Stehplatz Mitte anbrachte (Beitrag dazu hier). Bezogen hatte sich das einerseits auf die geplante Rohdung des Hambacher Forsts zur umstrittenen Braunkohleförderung durch RWE und zum anderen auf den Gegner aus der Lausitz, in dessen Fanszene es in der Vergangenheit immer wieder zu rechten Vorfällen kam.

Nun teilten uns die antirassistisch positionierten »South City Rudeboyz« mit, dass man für das aufgehangene Banner Stadion- und Betretungsverbote erhielt, weil dieses offenbar nicht angemeldet war. Im gleichem Atemzug stellt die Gruppe klar, dass man das Banner gegen »braune Energie« nicht etwa ins Südstadion geschmuggelt habe, sondern es am Eingang offen und transparent vom Sicherheitsdienst überprüfen ließ. Aufgrund des Stadion- und Betretungsverbots, bei dessen Verstoß eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch drohen würde, scheint die Gruppe das aktive Handeln bei Fortuna Köln reflektiert zu haben und kam nun zu dem Entschluss dem Kölner Südstadtklub auch nach Ablauf der Verbote erst einmal fernzubleiben.

Grund hierfür war ein Gespräch mit dem eigenen Verein, in dem der Fangruppe verdeutlicht wurde, dass sich der Energiekonzern RWE durch die Banner massiv angegriffen und sich die Mitarbeiter auf einer Stufe mit Nazis gefühlt hätten. Würde außerdem keine Distanzierung seitens des Drittligisten erfolgen, soll RWE damit gedroht haben etwaige Sponsorings zu hinterfragen und notfalls bei bestehenden Partnerschaften zwischen Fortuna Köln und Unternehmen zu intervenieren. Für die »South City Rudeboyz« wurde dadurch klar, dass der Verein die Interessen von Sponsoren höher gewichtet als die Meinungsfreiheit der eigenen Fans. Auch wenn die Gruppe vorerst keinen Platz mehr beim SC Fortuna Köln sieht, werden die »South City Rudeboyz« laut eigener Aussage weiter existieren bleiben.

Die gesamte Stellungnahme der South City Rudeboyz:

Die South City Rudeboyz verabschieden sich von der Fortuna

Die South City Rudeboyz haben am 20.10.2018 gegen den FC Energie Cottbus das vorerst letzte Mal ein Spiel der Fortuna besucht. Auslöser hierfür ist der von uns während des Spiels (im Südstadion) und nach dem Spiel (am Bahnhof Süd) gezeigte Banner mit dem Text: „Gib brauner Energie keine Chance! Im Hambi, in Cottbus, überall! South City Rudeboyz“. Dafür haben wir von der Fortuna ein Stadion- und Bereichsbetretungsverbot ausgesprochen bekommen. Sollten wir dagegen verstoßen, droht uns eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch. Die Ereignisse haben uns zum Nachdenken veranlasst und wir haben uns entschieden auch nach Ablauf des Stadionverbotes bis auf Weiteres kein Spiel der Fortuna mehr zu besuchen. Dies möchten wir im Folgenden genauer begründen:

Fakt ist: Wir haben besagten Banner nicht angemeldet. Fakt ist aber auch: Wir sind ohne Beanstandung durch die Einlasskontrolle des Südstadions gegangen. Unser Baner wurde nicht etwa hineingeschmuggelt. Wir haben unseren Banner ca. 15 Minuten vor Spielbeginn aufgehängt und nach Schlusspfiff abgenommen. Er war also gute 120 Minuten für jeden sichtbar. Der Ordnungsdienst hat uns sogar vor Spielbeginn ermöglicht, zwecks Fotoaufnahmen unserer Banner, den Innenraum zu betreten. Und wir möchten auch betonen: Wir haben einen Fetzen Stoff aufgehängt! Wir haben niemanden im Stadion etwa durch Pyrotechnik o. Ä. gefährdet oder jemanden verletzt oder bedroht. Auf dem Banner stand zudem kein einziger, strafrechtlich relevanter Inhalt geschrieben.

Am folgenden Sonntag sind dann Berichte über unser Banner im Internet erschienen. Erst am Montag fiel der Vereinsführung von Fortuna auf, dass da welche anscheinend gegen die Stadionverordnung verstoßen haben. Folgender Umstand bleibt für uns dennoch völlig unverständlich: Nachdem am Montagmittag ein Gespräch mit uns vereinbart worden ist, wurde auf der Homepage nachmittags eine Distanzierung vom Inhalt des Banners veröffentlicht, in der davon berichtet wird, dass die „Verantwortlichen ermittelt und anschließend zur Verantwortung gezogen“ würden. Die Verantwortlichen standen zu diesem Zeitpunkt aber bereits fest, da ja bereits ein Gesprächstermin für den nächsten Tag vereinbart wurde. In diesem Gespräch wurden interessante Details öffentlich:

1. Mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von RWE hätten sich ob einer Gleichsetzung mit Nazis beleidigt gefühlt.
2. Die Fortuna solle sich auf Druck von RWE bis zum 24.10.2018 von unserem Banner distanzieren – die Distanzierung wurde bereits am 22.10.2018 veröffentlicht, ohne das gemeinsame Gespräch abzuwarten und zu berücksichtigen!
3. RWE habe damit gedroht gegebenenfalls alle Sponsoren der Fortuna zu kontaktieren um sie von einem weiteren Sponsoring der Fortuna abzuhalten.
4. Dass wir den Konzern RWE für ihre Braunkohlepolitik kritisiert haben, wurde lediglich mit dem Satz kommentiert: „Wenn wir gegen Braunkohle protestieren wollten, sollten wir das woanders tun!“
5. Dass wir Cottbus für rechte Tendenzen in Teilen ihrer Anhängerschaft kritisierten, fand gar keine Erwähnung.

Überspitzt ausgedrückt: Da sich der Verein auf der veröffentlichten Mittteilung ausdrücklich bei Mitarbeitern von RWE (für eine nicht stattgefundene Diffamierung) entschuldigt hat, nicht aber bei den Anhängern von Cottbus, müsste man davon ausgehen, dass alle Cottbusser Nazis sind? Im Übrigen möchten wir an dieser Stelle betonen: Wir haben niemanden und zu keinem Zeitpunkt als Nazi beleidigt! Keinen Mitarbeiter von RWE, auch nicht den Konzern als Ganzes! Wir haben lediglich mit Hilfe eines Wortspiels auf zwei aktuelle Probleme aufmerksam gemacht und dazu aufgefordert diese nicht zu akzeptieren: Braunkohle-Abbau im Hambacher Forst und rechte Tendenzen in Teilen der Gästefanszene, die nicht zu bestreiten sind.

Es bleibt also festzuhalten: Uns wurde der Eindruck vermittelt, dass der Verbleib von Sponsoren für die Fortuna wichtiger ist, als ein klares Bekenntnis gegen Rassismus! Zumal dieser Eindruck noch mit der Aussage untermauert wurde, wenn wir gegen Nazis oder sonst etwas protestieren wollten, sollten wir das woanders tun! Sicherlich sind wir für den einen Teil unseres Statements gegen „braune Energie“ – also Energiegewinnung durch Braunkohle – angreifbar. Aber wenn ein klares Bekenntnis gegen Rechtsradikalismus, Rassismus, Faschismus usw. nicht erwünscht ist, wir mit unserem Erscheinen und antirassistischen Statements sogar den „Hausfrieden“ bedrohen, sehen wir für uns als South City Rudeboyz bis auf Weiteres keinen Platz mehr bei der Fortuna. Die South City Rudeboyz existieren weiter!

South City Rudeboyz

Foto: South City Rudeboyz | Kurvennews am 03.11.2018

13 Kommentare

  1. Ihr seid auf der richtigen Geraden. Wer hier falsch liegt, das ist ein Konzern, der mit allen Geld-Macht-Mitteln versucht, alles mundtot zu machen, was gegen seine verfehlte Konzernpolitik spricht. Armutszeugnis für RWE. Schade, Fortuna.

  2. Sicherlich etwas ungeschickte Plakataktion, auch wenn „braun“ und „Energie“ sich nun mal scheinbar gerade anbot. Aber über Solcherlei unreflektierte Schnellschüsse musste schon so mancher Politiker sein Amt ruhen lassen. „Keine Nazis“ ist ein hehres Anliegen. Wer dazu noch gegen Braunkohle sein möchte, kann das ja auch gerne sein. Die Kombination beider Themen geht aber gar nicht.

    • Ich finde, ein Fanclub hat nicht die Verantwortung eines Politikers, wenn es um öffentliche Wahrnehmung geht.

      Auch bleiben Ihre Argumente, warum die Kombination der Themen Antirassissmus und Klimawende gar nicht geht, für den Leser Ihres Kommentares im Verborgenen 🙂

    • Dass diese Kombination sehr wohl geht, zeigt ja dieses Spruchband, das nicht zu den ungeschicktesten, sondern zu den sprach- und gestaltungsintelligentesten Transparenten gehört, die ich in 40 Jahren Erst-, Zweit- und Drittliga-Stadionerfahrung gesehen habe.

      Als ich beim Indeland-Triathlon eine Weste mit RWE-Aufdruck überreicht bekommen habe, kommentierte ich das mit “Braun ist scheisse, so oder so!”
      Komischerweise hat Jeder, wirklich Jeder, sofort verstanden, was ich meinte,
      egal, ob sie sich der Meinung anschlossen oder nicht.
      Entweder siedelt sich die Sprachintelligenz im Fussball-Bereich immer noch eher im grenzdebilen Bereich an oder, das erscheint wahrscheinlicher, RWE stellte sich hier bewusst blöder, als sie sind. Zumal RheinBRAUN längst in RWE aufgegangen ist.
      Das Blödstellen scheint ja zunehmend Unternehmensstrategie zu sein, wenn man die Verlautbarungen zur Auswirkung Ihres Wirtschaftens (Pacta sunt servanda…und wenn´s nur dem Untergang dient.) wahrnimmt.

  3. Für echte Fans glaube ich tut es EUCH sehr schmerzen. Aber Hut ab Ihr seid klasse. So weit sind wir hier schon in unserem Land das man uns versucht in unseren Grundrechten ein zuschränken. Lasst es Euch nichts gefallen und steht zu Eurem Entschluss!! Hambi bleibt
    PS Vielleicht sieht man sich im Hambi

  4. Liebe South City Rudeboyz – im Moment gibt es wieder Räumungsgerichte – für die kommende Woche im Hambacher Forst.
    Ich danke Euch erstmal für Euer tolles Banner und auch für Euer konsequentes Handeln. Darüber hinaus wäre es ganz toll, wenn Ihr Euch in dem Räumungs-SMS-Verteiler der Hambacherforst Waldbesetzung eintragt -https://hambacherforst.org/sms-raeumungsverteiler/ und so schnell, wenn Ihr könnt und wollt, im Wald dabei seid, falls es wieder heißt, Innenminister Reul pfeift seine Leute zusammen zur erneuten Räumung der inzwischen neu aufgebauten Baumhäuser. Updates zum heutigen Stand der Wiederbesetzung könnt ihr auf der Blogseite nachlesen.
    Danke!

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