177 Stadionverbote gegen Fanszene Hannover

Der Deutsche-Fußball-Bund sprach heute 177 Stadionverbote gegen Mitglieder der aktiven Fanszene von Hannover 96 aus. Begründet wurde diese drastische und wohl sehr einschneidende Maßnahme mit dem Vorwurf einer geplanten Schlägerei mit Ultras und Hooligans von Eintracht Braunschweig.

Im November 2016 versammelte sich eine dreistellige Anzahl an Fans von Hannover 96 auf einem Parkplatz bei Hildesheim, wo die Polizei bereits verdeckt wartete. Personen aus der Braunschweiger Fanszene waren zu diesem Zeitpunkt nicht anwesend und generell schien die Faktenlage bei der Polizei eher dünn. Das hinderte die Beamten jedoch nicht daran mit schwerem Geschütz aufzufahren und 177 Hannoveraner für zwei Tage in Gewahrsam zu nehmen, wodurch diese das Niedersachsenderby verpassten.

Die »Fanhilfe Hannover« nahm dazu ausführlich Stellung, kritisiert die Vergabe der 177 Stadionverbote und vermutet, dass dadurch »das ohnehin schon schlechte Verhältnis zwischen DFB und aktiver Fanszene weiter verschlechtert« werden würde. Auch die Polizei wird in die Kritik mit eingebunden, auf deren Empfehlungen der DFB die meisten Stadionverbote ausspricht. Offenbar versucht die Polizei »durch die Anregung extrem überzogener Laufzeiten die Betroffenen weiter zu gängeln und macht sich den Kampf gegen die Szene augenscheinlich zu einer persönlichen Aufgabe«, ergänzt die Fanhilfe dazu.

In der Tat muss die Frage nach einer Verhältnismäßigkeit gestellt werden, wenn 177 Fans ohne konkrete Beweise kriminalisiert und für mehrere Jahre aus den Stadien verbannt werden. Selbst wenn eine verabredete Schlägerei vor dem Derby nahe liegt, muss weiterhin nach der Unschuldsvermutung gehandelt und der Sachverhalt auf einer fairen Basis behandelt werden. Durch das Aussperren einer solch großen Gruppe entfernt sich der DFB stattdessen deutlich von seiner noch vor wenigen Wochen proklamierten Dialogbereitschaft, in Zuge dessen man großes Verständnis für das Fandasein in den Fanszenen aufbringen wollte.

Fotos: twitter.com | Kurvennews am 12. Oktober 2017

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.